„Opera“

am

31 Days of Fright – Tag 28

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© Koch Media

Nun endlich: Die angekündigte Besprechung zu „Opera“, die nun als Wiedergutmachung auf den eher mistigen „Vier Fliegen auf Grauem Samt“ folgt und Argento die verdiente Würdigung in dieser Reihe bietet. Der beste, von mir vorgestellte, Film in den diesjährigen 31 Days of Fright.

Als zweiter großer Kanontitel aus dem Oeuvre Argentos, neben Suspiria, ist es ein Film, wie er typischer für den Meister des Giallo eigentlich gar nicht sein kann. So sei vorneweg gleich eines für das allerletzte Mal gesagt: „Opera“, wie auch eigentlich alle seine Filme, ist ein Film, der sich jeder geerdeten Wahrnehmung von Logik entzieht, plotfetischistischer Kunstfeindlichkeit kein einziges Zugeständnis macht und sich losgelöst von jeder Regel des Gewohnten einem filmischen Wahnsinn von faszinierendem Sog und außerordentlicher Schönheit hingibt.

Besonders stark zitiert Argento „Suspiria“ und „Phenomena“ und reflektiert diese Werke. Besonders der Alpenepilog und die immer wiederkehrenden, in der Szene in der Wohnnung der Protagonistin ihren Höhepunkt findenden, Lichtspielen, die eben jenes albtraumhafte Gefühl völliger Verlorenheit in einem Strudel des undurchsichtigen Horrors evozieren, das Argento so verflucht gut bedient, zeugen von diesen Tatsachen. Er findet sich dabei sogar selbst in einer zenralen Rolle wieder: Der Opernregisseur (Argento selbst wurde es nicht gestattet „Rigoletto“ zu inszenieren) ist ein bekannter Horrormacher. Er ist neben der weiblichen Protagonistin, die wichtigste Figur im Film, der im Chaos stets einen kühlen Kopf bewahrt und immer eine gewisse Grunddistanz zum Geschehen hat. Doch vielleicht ist diese auf der Hand liegende Interpretation noch einen Ticken zu kurz gegriffen. Vielleicht repräsentiert auch der Killer den Regisseur und die Protagonistin die Zuschauer. Der Killer zwingt die Protagonistin durch die auf das untere Augenlied geklebten Nadeln hinzusehen, wenn er bestialisch mordet, andernfalls würde sie sich die Augen zerfetzen. So inszeniert der Killer die Bilder des Horrors einzig und allein für die gefesselte Protagonistin. Zudem stellt er die Frage, wie sehr sich Leben und Film denn überhaupt tatsächlich von einander unterscheiden.

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© Koch Media

Untermalt von Opern-, Synthesizer- und Rockmusik tänzelt „Opera“ zwischen den Welten und will sich somit einem einfachen Verständnis entziehen. So ist und belibt die einzige Möglichkeit, den Blick abzuwenden, sich diesem überweltlichen Kino gänzlich zu verschließen. Und wer das tut, zerfetzt seine Augen und bleibt unzugänglich für die Schönheit von Film an sich.

Empfehlenswert für Halloween weil: „Opera“ ein Werk für die Ewigkeit ist, dessen Wirkung sich nur schwer in Worte fassen lässt und das sich nur sehr schwierig in ein herkömmliches Sytsem von Sehen und Verstehen eingliedern lässt. Solche Filme sind rar und in ihrer Rarität ganz groß. Argento gehört zu den allergrößten und „Opera“ ist ein Beweis dafür.

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