„Final Destination“


31 Days of Fright – Tag 21

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© Studiocanal

Wofür braucht man einen Killer, wenn die Opfer selbst die Arbeit machen? „Final Destination“ betreibt die Abstraktion einer ganz urtypischen Horrorfilm-Gewohnheit im höchsten Grad und ist ein gutes Beispiel für den Horrorfilm des ausgehenden Milleniums. Hier sterben die Menschen (fast) von allein.

Nach einer Todesvision erleidet Alex (Devon Sawa) eine Panikattacke und rettet einigen Menschen das Leben – nur wird der Tod nicht gerne betrogen. Nach und nach fordert er das ein, um was ihn Alex gebracht hat. Der Sensenmann bewegt sich nicht mit „cheesy“ Kapuzenmantel und als Knochengerippe von Opfer zu Opfer, nein, er ist ganz dematerialisiert und reiht als unsichtbare Entität die Dominosteine der deftigen, kreativ gestalteten Tode auf.

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© Studiocanal

Man merkt, dass „Final Destination“ ursprünglich als „Akte X“-Folge angelegt war. Nicht nur hat er den wenig wertigen Look eines Fernsehfilmes, auch das merkwürdig präsente FBI-Ermittlerduo weckt Erinnerungen; die Drehbuchautoren haben nur den Schwerpunkt der Erzählung auf ein paar Teens verlagert, und dann inszenierte auch noch der „Akte X“-Routinier James Wong. Der aber einige Kniffe auf Lager hat, wenn es darum geht, trotz der physischen Abwesenheit einer Bedrohung eben diese darzustellen und spannend zu präsentieren. Der Tod kündigt sich als Luftzug an – das reicht meist schon, die Stimmung ist da, wie in den schönen Creditbildern, der Flugangst erzeugenden Todesvision zu Beginn und der „Lost“-mäßigen Zahlensymbolik.

„Final Destination“ ist auch irgendwie ein moderner Klassiker, der eine ziemlich garstige Splatter-Reihe nach sich zog. Aber dieser Rohling aus dem Jahre 2000 hat fast schon etwas Existenzielles. Bei Camus hat man noch die Wahl zwischen Leben und Selbstmord, hier nicht mehr. Das unnötige, erzwungen-bösartige Ende ärgert zwar etwas, aber wenn Clear (Ali Larter), die am Flughafen Henry Millers „Tropic of Cancer“ liest, von ihrer kindlichen Angst vor dem Tod ihrer Eltern erzählt, kann man nur hypnotisiert staunen.

Empfehlenswert für Halloween weil: „Final Destination“ ein Film mit Ecken und Kanten und ein echtes Kind seiner Zeit ist. Perfekt für eine kleine 90ies-Rundfahrt.

5

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Filmschrott sagt:

    Ich mochte den damals und ich glaube, auch heute noch. Müsste ich ma wieder gucken. Der hatte einfach eine interessante Idee, die dann mit den Nachfolgern natürlich mal wieder totgeritten wurde.

  2. Staffmann sagt:

    Also von allen Horror-Filmreihen ist mir „Final Destination“ bis heute die liebste. Dabei fand ich die Filme aber nie inszenatorisch stark, sondern vielmehr einfach kreativ. Dabei ist der erste wohl noch der bodenständigste. Jedenfalls habe ich ihn nach den anderen gesehen und war dann doch etwas enttäuscht.

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