„Jacob’s Ladder“


31 Days of Fright – Tag 18

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©Studiocanal

„Jacob’s Ladder“ gehört heute wohl zu dem, was man allgemein unter einem Geheimtipp verstehen darf. Dieser kleine, leise Psychohorrorfilm aus den frühen 90ern mit Tim Robbins ist heute nur noch wenigen bekannt. Man muss schon lange suchen, um einen vergleichbaren Film zu finden.

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©Studiocanal

Adrian Lynes Film ist vollkommen ruhig. Er scheint es sich beinahe zur Aufgabe gemacht zu haben, so wenig zu zeigen wie nur irgendwie möglich; nur wenn es nicht anders geht, entwirft Lyne surreale und fantastische Bilder. Und diese Rechnung geht wunderbar auf: Lyne verfolgt seinen Protagonisten Jacob durch sein Leben. Beinahhe ziellos streift dieser umher, von immer wiederkehrenden Vietnam-Falshbacks und scheinbaren Wahnvorstellungen verfolgt. Dabei spinnt das Drehbuch, die ein oder andere Leerstelle und tänzelt sprunghaft von der einen Halluzination zur anderen, ohne ein erklärtes Interesse daran zu haben, irgendetwas aufzulösen. Viel wichtiger ist der Mensch Jacob. Er ist ein moderner Woyzeck im teuflischen Spiel höherer Mächte. Sein Leidensweg als Spielball anderer Menschen und wohin, in welche Tiefen menschlicher Abgründe, dieser führt, das zu zeigen und zu ergründen ist das primäre Ziel des Films. Ein Ziel, das nicht nur aufgrund von Tim Robbins‘ fabelhaftem Spiel, mehr als aufgeht. Wenn sich der gordische Knoten zum Ende hin löst, dann steht hier kein großer Twist, kein Effekt im Mittelpunkt, sondern nachwievor ein menschliches Wesen, dem eben diese Eigenschaft, ein menschliches Wesen zu sein, zu oft schon abgesprochen wurde. In dieser Hinsicht ist „Jacob‘s Ladder“ wundervolles Charakterkino.

Was schließlich als Horror über bleibt, ist gar nicht so leicht zu definieren. Viel eher ist es die Grundstimmung des Ungewissen und die stete Trauer, die sich schwer über den Film legt, die dieses Gefühl transportiert. Jacobs Schicksal als freier Mensch in den Ketten der Welt ist vielleicht sogar eines der schaurigsten und eben am meisten Horror verbreitenden Schicksale, die man erzählen und durch einen Film erfahren kann.

Für Halloween empfehlenswert weil: sich diese absolut andere Sehehmpfahrung bezahlt macht. Man erlebt einen Horrorfilm wie eine große Tragödie, die mit dem Gefühl zurücklässt etwas Wichtiges gesehen zu haben.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Morgen Luft sagt:

    Schöne Rezension. Hab ich immer mal nebenbei mitbekommen, aber nie so richtig auf dem Schirm gehabt.

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