„Spider Baby or, The Maddest Story Ever Told“

am

31 Days of Fright – Tag 12

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©Arrow Video

Manchmal profitieren alte Filme durch neue. „Spider Baby or, The Maddest Story Ever Told” profitierte vor allem durch Sid Haigs Popularitätsschub aufgrund seiner Performances in den Rob Zombie-Filmen. Und sieht man sich diesen Film mit „House of 1000 Corpses“ im Hinterkopf genauer an, dann merkt man durchaus, dass es mehr als nur Sid Haig aus diesem Film geschafft hat, in das Oeuvre Zombies überzugehen.

Dieser Film des später vor allem durch seine Blaxploitation-Filme bekannt gewordenen Jack Hill dürfte vor allem auch für spätere Genre-Epiphanien wie „Blutgericht in Texas“ wegweisend gewesen sein. Zwischen den Handlungsstrukturen lassen sich nämlich einige Parallelen ausmachen. In beiden Fällen haben wir es mit Familien von Aussätzigen zu tun, die sich in den Blindstellen der Gesellschaft irgendwie und irgendwo ein eigenes Reich geschaffen haben. Als Vermittler zwischen den übriggebliebenen Kindern der Familie und der Außenwelt funktioniert der Chauffeur Bruno, der zum einen versucht, sie von der Welt abzuschotten, zum anderen aber auch bemüht ist, ihnen moralische Grundsätze zu lehren. Dass dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist, wird Bruno spätestens dann klar, als entfernte Verwandte, Ansprüche auf das Vermögen der Familie machen. Wie in den Klassikern des politischen Terrorkinos der 70er, haben wir es auch hier mit territorialen Grenzüberschreitungen von Gewinnern und Verlierern zu tun, die letzten Endes in Gewalt enden.

Bei Jack Hill ist diese Gewalt jedoch nicht in der expliziten Form dargestellt, wie man es heute gewohnt ist, sondern um einiges kleiner und angedeuteter. Dabei gelingt es ihm, den Bogen zwischen den Gruselfilmen der 50er aber auch den neuen Impulsen perfekt zu schlagen. Fokus legt Hill dabei vor allem auf das sexuelle Erwachen von dem von Sid Haig gespielten „Wolfman“, der sich wie ein Hund verhält, und „Spider Baby“ Virgina. Jene sexuellen Gefühle verlaufen sich schließlich zu immer abstruseren Auslebungen der Gewalt. Das entstandene Chaos lässt sich durch Bruno schließlich nur noch dadurch beenden, indem er das ganze Haus in die Luft jagt. Ein großartig spielender Lon Chaney jr vermittelt dabei durch pointiertes Spiel eben jene ernüchterne Einsicht, dass die Ignoranz der Gewinner des Lebens letztlich keine alternativen Lebensplätze zulässt. So sind diese Protagonisten auch keine Monster per se, sondern viel mehr komplexe Individuen. Ja, viel eher wirken die Verwandten, die „normal“ sind, fast schon wie jene, die den Horror heraufbeschwören.

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Und dennoch lässt Jack Hill seine Subversive nicht enden und lässt mit der letzten Szene keinen anderen Schluss zu, dass eben jener „Fluch“, also die geistige Behinderung der Familie, dazu gehört, unumgänglich ist und ein steter Teil des seins ist. Wie damit umzugehen sei, lässt Hill mit einem aufpoppenden Fragezeichen offen.

Empfehlenswert für Halloween weil: dieser Film eine spielerische Verknüpfung verschiedener, das Genre prägender Strömungen ist, der zum filmhistorischen Unterbau großer Meisterwerke wurde. Und er ist geil. Ziemlich geil.

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