„Poltergeist“

am

31 Days of Fright – Tag 4

poltergeist_featuredpic
©Warner

Dass Tobe Hooper mit „Blutgericht in Texas“ einen der besten Filme aller Zeiten abgelifert hat, dürfte ziemlich eindeutig sein. Umso trauriger ist es, dass das erklärte Ziel dieses Films, ihm die Türen nach Hollywood zu öffnen, nie aufging: Selbst dorteinmal angekommen, konnte er nie die große Karriere starten, die einem Künstler seines Formats eigentlich zugestanden wäre. So steht auch „Poltergeist“, Hoopers finanziell erfolgreichster Film, vor allem unter dem Zeichen seines Produzenten Stephen Spielbergs, der im Ringen um die künstlerische Prägung des Films klar der Stärkere bzw. Mächtigere war.

Und das ist eigentlich fatal. Denn „Poltergeist“ wäre ein besserer, vielleicht sogar ein wirklich großartiger Film geworden, hätte Spielberg Tobe Hooper nur machen lassen, schließlich ist Hooper der bessere Regisseur. Jede Idee, die man in ihren Grundzügen möglicherweise Hooper zuschreiben könnte, trägt ein unmissverständliches „Made by Spielberg“ auf der Stirn. Natürlich ist das noch kein Problem per se. „Poltergeist“ beginnt nämlich stimmig und athmosphärisch. Hier ein bisschen Familienkomik, da noch der ein oder andere böse Kommentar Hoopers und man kann sich eigentlich gut darauf einstimmen, dass der Film eher eine Geisterbahnfahrt für jung und alt wird, anstatt ein – nun ja – richtiger Horrorfilm, mit Schock- und Angstelementen.

poltergeist_pic4

Der Aufbau der Ausgangssituation, das Etablieren der supernaturalen Elemente und der zentralen Charaktere funktioniert gut, stimmt ein und man ist gewillt sich vom Film in bester spielberg’scher Art und Weise an der Hand nehmen zu lassen. Auch die erste große Szene, in der der Special-Effekts-Bizeps bis zum Platzen des Hemdsärmels angespannt wird, kreiert diesen Bruchbuden-Geisterklamauk-Vibe, dem man sich gerne hingibt. Doch danach will nichts mehr so wirklich funktionieren. Keiner der Effekte, seien sie für die Zeit noch so visionär und bahnbrechend gewesen, will mehr ziehen – viel eher wirkt es so, als würde Spielberg die Zitzen der Halloween-Geisterhäuser und des scary Effekt-Krimskrams so lange auskneten, bis nur noch Staub herausrieselt. Oder einfacher formuliert: „Poltergeist“ wird zu einer langen, Blindgänger schießenden Effekprotzerei ins Nichts, an deren Ende weder eine höhere Erkentniss, ein spannendes Finale oder eine heruntergeklappte Kinnlade steht. Nichts. Es ist ein – seien wir gnädig – 60-minütiges vor sich hin dümpeln, das sicher nicht das ein oder andere nette Bild entbehrt, aber im großen und ganzen nur begrenzt funktioniert.

Empfehlenswert für Halloween: weil Spielberg-Fans und Leute, die – aus welchen Gründen auch immer – zu einer merkwürdigen 80er-Nostalgie neigen, gewiss irgendwie auf ihre Kosten kommen und Spaß an diesem Missbrauch Tobe Hoopers Namen haben. Wie dem auch sei: hier nochmal die Kritik zu Blutgericht in Texas.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s