„The Fog“

am

31 Days of Fright – Tag 2

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©Studiocanal

Nach „Halloween“ blieb Carpenter dem Horror treu, fuhr aber mit „The Fog“ eine gänzlich andere schiene. Während der zwei Jahre zuvor erschienene Film rund um Michael Meyers deutlich abstrakter, ja radikaler in seiner Inszenierung war, gemahnt sich „The Fog“ um einiges klassischer an. Beginnen tut „The Fog“ nämlich mit der Geistergeschichte eines alten Seebärens am Lagerfeuer. Und genau das ist der Film auch: eine Geistermär, kein Terrorkino mehr.

Carpenter schickt eine Welle der unerklärlichen Phänomene über die Kleinstadt Antonio Bay bevor er deren Bewohner collagenhaft einführt und ein Bild des Zusammenlebens im Küstenort zeichnet. Dies geschieht holprig, wenig leichtfüßig. Alle jene Figuren wirken wie Fremdkörper, so als wüsste Carpenter selbst mit ihnen nur wenig anzufangen. Vielleicht ist das auch ganz gut so, da er diese langweilige Idylle somit schon im Vorraus entlarvt. Denn Antiono Bay wurde auf blutigem Fundament erschaffen. Ein reicher Lepra-Kranker kaufte den Siedlern ein Stück Land ab, um dort eine Lepra-Kolonie zu errichten. Die Siedler jedoch ließen ihn und die anderen Lepra-Kranken mit ihrem Schiff im Nebel an Felsen zerschellen. Mit dem Geld des Reichen wurde schließlich das beschauliche Städtchen errichtet.

Carpenter arbeitet mit einer ganz bestimmten, genau definierten Angst all derer, denen es über alle Maße gut geht auf derer Welt. Die Geister aus dem Nebel sind nämlich die Abgehängten und Zurückgelassenen, auf deren Leichen unser Wohlstand aufgebaut ist. Das weiß in Antonio Bay kaum jemand, was da eigentlich geschah – man denkt sogar, dass es sich bei dem Schiffsunglück um einen Unfall handelte. Es wird klar, dass es die vermeintliche Unschuld nicht gibt – die Geister machen auch vor alten Frauen und Kindern nicht halt – und dass Antonio Bay nicht nur Antonio Bay ist, sondern viel eher der ganze Westen. Im Europa des Jahres 2016 erleben wir, was passiert wenn diese Angst mit der Carpenter spielt, reell wird und sich in den Menschen manifestiert, wenn die Wohlstandsleichen aus unseren Kellern (oder vom Meeresgrund) nun einmal bei uns angekommen sind.

©Studiocanal
©Studiocanal

Dieses Einholen der eigenen Sünden trägt eine schauerliche Kälte mit sich. Wie der Nebel schiebt sich die Spannung über den Bildschirm hin zum Zuschauer. Er füllt jeden Raum aus, lässt nichts unangetastet. John Carpenter ist als Regisseur dabei nie um einen genialen Regie-Einfall verlegen. Sein Score ist nicht mehr einprägsam, gar eindeutig in seinem Klang, sondern eine wallende Steigerung, die ähnlich dem Nebel allumfassend einnehmend ist. Besonders genial sind auch die Montagen, in denen er es durch einen Ausfallschritt vom Takt stets schafft, das Erwartet-Unerwartete zu verzögen, nur um es in kurzen, intensiven Schüben umso gemeiner über den Zuschauer hereinbrechen zu lassen.

Empfehlenswert für Halloween weil: John Carpenter seinem Ruf wiedereinmal gerecht wird.  Neben einer kräftigen Schelle gegen den Westen, ist dieser Film unglaublich intensiv inszeniert und schafft es tatsächlich, dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken zu jagen.

 

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