„The Witch“

am

31 Days of Fright – Tag 1

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©Universal Pictures

Erneut zeichnet sich ab, warum das Independent Horrorkino den Mainstream längst überholt hat. Von den Kritikern wurde „The Witch“ mit Vorschusslorbeeren überhäuft, von dem Publikum als sehr zwiespältig abgetan und in meiner Vorstellung von einem äußerst jungen Publikum, das man sonst eher in Filmen wie Ouija und Konsorten vorfindet, lautstark ausgelacht und ausgebuht. „The Witch“ ist ein spezieller Film, der sich an eine bestimmte Sorte von Publikum wendet und höchste Aufmerksamkeit fordert.

Debütant Robert Eggers beweist direkt mit seinem Debüt, wie vielschichtig das Genre Horror ist, wenn man es mit einem Familiendrama kreuzt und altertümliche Gewohnheiten/Ansichten als Manifestation der Angst katalysiert. Eine streng gläubige Familie, die abseits der Zivilisation von etwas Übernatürlichen terrorisiert und allmählich dysfunktionalisiert wird, zumindest ist es dem Zuschauer überlassen dies zu glauben, denn bis zum Schluss ist es ein Spiel mit der Psyche, ob es nun ein Kreatur ist oder eine fehlinterpretierte Abfolge ungünstiger Zufälle. Eingefangen mit einer ungewöhnlichen Cinematographie, einer katatonisch narrierten Erzählung und behutsamen Spannungsaufbau entfaltet sich das Schauermär auf eine unikate Weise und setzt auf eine beunruhigende Atmosphäre, anstatt den Zuschauer mit billigen Effekten an der Stange zu halten. Immer wieder blitzen Religionskritik, Aberglaube oder zivilisierte Dehydrierung auf. Wird der menschliche Organismus anfälliger für Angst, der durch eine undefinierbare Präsenz ausgelöst wird, wenn er ewig isoliert gelebt hat? Ist es die strenge Gebundenheit an eine religiöse Schrift die menschliches Handeln fehlleitet?

©Universal Pictures
©Universal Pictures

The Witch gibt wenig Antworten und sorgt dafür, dass sich der Horror im Kopf des Zuschauers manifestiert und ihn lange beschäftigt, auch wenn die krampfhaften letzten Einstellungen untermauern, dass Überambitionen oftmals ein Lachen entfesseln können, auch wenn es den Mut den Regisseurs repräsentiert. Jegliche Interpretation, jeder erfasster Symbolismus wird kaschiert, indem die Inszenierung offensichtlich zeigt, was sonst so sezierend entnommen werden könnte. Ein intimes Porträt einer allmählig zerfallenden Familie, schauriges Horrorkino, das großen Fokus auf seine Charaktere und deren Entwicklung legt und die zwischenmenschlichen Konflikte nach dem Vorbild von altertümlichen Ansichten wie ein tragisches Familiendrama inszeniert, angereichert mit fantastischem Soundtrack. Innovatives Kino mit starkem Ensemble, dass für Robert Eggers sicherlich einen Grundstein für eine vielversprechende Karriere markiert und die Frage offen lässt, ob der Teufel nicht in jeder Menschengestalt auf der Erde wandert.

Empfehlenswert für Halloween weil: Gewiss kein Film für einen überfullten Filmabend, aber eine Schauermär, die noch lange nach Sichtung beschäftgit und eine der gruseligsten Szenen der letzten Zeit beinhaltet. Am besten ohne Ablenkung von Smartphones, lauten Mitguckern oder Geräuschkulisse genießen!

8

 

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Filmschrott sagt:

    Der könnte mein persönliches Kino-Highlight des Jahres werden. Fand das Ende zwar nicht so geil, aber darüber kann ich weg sehen. Der Film baut einfach eine tolle Atmosphäre auf und ist endlich mal wieder ein Horrorfilm abseits von dem Jumpscareoverkill den man sonst geboten kriegt.

    1. Sean sagt:

      Wäre natürlich toller gewesen, wenn der Film fünf Minuten früher abgeblendet hätte, aber so so macht er halt das unoffensichtliche offensichtlich. Ansonsten ist das halt wirklich eine Atmobomb ssondergleichen!

      1. Filmschrott sagt:

        Ohne jetzt zu spoilern hätte man sogar die letzten 5 MInuten drin lassen können, wenn man zuvor nicht zwei sehr offensichtliche Szenen drin gehabt hätte (Baby, Bruder). Das nahm einem dann leider die Möglichkeit zur Selbstinterpretation. Aber trotzdem ein starker Film. Nebenbei hatte ein anderer Film dieses Jahr mMn ein ähnliches Problem: 10 Cloverfield Lane.
        Da frage ich mich ja, ob da vielleicht die Studios am Ende noch mal reingelabert haben, bei beiden Filmen, weil sie die Zuschauer für zu dämlich halten, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.

      2. Sean sagt:

        Da waren es definitiv die Studios bei 10CL.

      3. Filmschrott sagt:

        Gehe ich auch stark von aus. Aber könnte ja bei Witch auch der Fall gewesen sein. Lässt sich vielleicht besser sagen, wenn man irgendwann noch was von dem Regisseur zu sehen kriegt.

      4. Sean sagt:

        !Spoiler!

        Ich glaube, Eggers hat das bewusst so gemacht. So hätte es bei dem Bruder und dem Baby sein können, als würde er dich gezielt manipulieren, indem er dir etwas zeigt, dass kein anderes Familienmitgleid sieht, waren es sonst ja immer mindestens 2. Blut aus der Ziege, der Hase etc. Und um jede Analyse und Interpretation etwas vorweg zu nehmen, zeigt er dir eben direkt zum Ende, das was sonst verborgen geblieben wäre oder was man nur in diesen zwei Szenen gesehen hat.

      5. Filmschrott sagt:

        Ja könnte sein. Ohne die zwei besagten Szenen hätte es ja zum Beispiel auch noch nur im Kopf der Tochter stattfinden können. Aber da diese Szenen gezeigt wurden, funktionierte das natülich nicht mehr. Fand ich etwas schade, da ich erstens gerne ein interpretierbares Ende habe, wenn sich die Chance schon anbietet und zweitens das Ende so halt auch etwas drüber war im Vergeleich zum Rest des Films. Aber was will man machen? Immer noch besser als vieles andere heutzutage.

      6. Sean sagt:

        Oder der Film leitet dich mit Absicht auf die falsche Spur, sodass du selbst haderst ob es nun eine Hexe im Wald ist, Thomassin oder die pure Angst durch eine religiöse Schrift. Das Ende ist sicher tonal deplatziert aber rundet das Ganze schön ab. Mehr Filme wie The Witch im Horrorsektor, statt Jump-Scare Frachises, da sind wir uns einig.

      7. Filmschrott sagt:

        Da sind wir uns einig. Aber für mich lässt der Film leider durch die beschriebenen Szenen nicht wirklich offen, ob es eine Hexe gibt. Das hätte bei mir eben ohne besagte Szenen besser funktioiert. So ist das für mich eigentlich klar und lässt keinen Platz für Spekulationen.

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