„Mahana“


In seinem neuesten Film erzählt Lee Tamahori die Geschichte eines Maori-Patriarchats im Neuseeland der 60er Jahre.

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© Prokino

Wirft man einen Blick auf seine cineastischen Exporte, zu denen unter anderem Peter Jackson und seine Werke, diverse, zu Geheimtipps mutierte Genre-Skurrilitäten wie „Housebound“ oder „5 Zimmer Küche Sarg“ und auch Regisseure wie Andrew Adamson („Shrek“) und Andrew Niccol („Gattaca“) gehören, ist es vielleicht angebracht, von Neuseeland als kleine, aber ergiebige „Filmnation“ zu sprechen, die immer wieder kleine Perlen und kompetentes Personal in den Rest der Welt schickt.

Lee Tamahori, ebenfalls Neuseeländer und hauptsächlich bekannt für tumben Bombast wie „xXx 2 – The Next Level“ oder „James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“, der für viele als schlechtester Bondfilm aller Zeiten gilt, weicht von seinen bekannten Pfaden ab und bringt uns mit „Mahana“ ein Melodram, welches im Milieu eines Maori-Clans angesiedelt ist. Erzählt wird die auf einem Roman von Witi Ihimaera basierende Geschichte einer streng patriarchalischen Familie neuseeländischer Ureinwohner in den 1960ern, in welcher es der aufsässige Teenager Simeon (Akuhata Keefe) zunehmend schwer hat, sich einzufügen, wodurch er immer wieder in Konflikte mit dem Familienoberhaupt, seinem Großvater (Temuera Morrison), gerät.

Aus diesem Setup entspinnt sich ein gewöhnliches, „handelsübliches“ Drama, das sich mal mehr, mal weniger an den üblichen, dem Melodram inhärenten Themen wie verbotene Liebe, repressive Familienstrukturen und vergangene Untaten abarbeitet. „Mahana“ bleibt dabei solide aber konventionell und vermag nichts wirklich Neues zu bieten, einzig einige von poetischer Musik getragene Arbeitsszenen in harmonischen Landschaften und der Fokus auf die assimilierten und doch in überkommenen Zwängen erstarrten Maori-Familien sind bemerkenswert.

Unterm Strich ist „Mahana“ ein nicht gerade ambitionierter, (zu) versöhnlicher Film mit mittelmäßig bis souveränen Darstellerleistungen und einem dramaturgisch beliebigen letzten Akt, der nichts wirklich falsch, aber auch nichts wirklich richtig macht, wenngleich man ihm ob seiner Parallelgesellschafts-Thematik zugegebenermaßen so etwas wie Relevanz attestieren könnte.

5

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. popcornfilme sagt:

    Interessante Kritik, die genau das anspricht, was ich mir bei „Mahana“ schon gedacht habe. Irgendwie ist es bei neuseeländischen Filmen ähnlich wie bei deutschen: Sie sind mittelmäßig in der Schauspielerei und haben einige Schwächen in Sachen Authentizität und Spannung – handelsüblich eben. Mit dem Unterschied, dass in neuseeländischen Filmen immerhin die Landschaftsaufnahmen atemberaubend sind 🙂

    1. Victor sagt:

      Danke für den Kommentar.
      Nana, den neuseeländischen gleich mit dem deutschen Film zu vergleichen, das kannst du ihm doch nicht antun 😀 Da muss man sich nur mal „Braindead“ ansehen 😉

      1. popcornfilme sagt:

        Jaaa gut! Peter Jackson ist ein Argument 😛

  2. Victor sagt:

    Wobei der für seine ersten, recht „sonderbaren“ (vorsichtig gesprochen) Filme sogar staatliche Filmförderung erhielt. In Deutschland undenkbar 🙂

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