„Manhattan: Staffel 1“


Ein weiterer Ausläufer der enormen Flut an Qualitätsserien aus Übersee ist in Deutschland am 7. Juli erschienen.

manhattan
© Studiocanal

Sam Shaw hatte bereits mehrere Drehbücher zur umjubelten Serie „Masters of Sex“ beigesteuert, bis er im Jahr 2014 dann „Manhattan“ erschuf, für die er auch in ihrem weiteren Verlauf als Showrunner tätig war, bis sie nach der zweiten Staffel abgesetzt wurde. Damit beweist er ein weiteres Mal Gespür für Geschichten im Amerika vergangener Jahrzehnte, wobei „Manhattan“ selbstverständlich bei weitem nicht die Klasse von „Mad Men“ erreicht.

Die Serie kreist in ihren 13 Episoden der ersten Staffel um das titelgebende „Manhattan-Projekt“, jene wissenschaftliche Großaktion, bei der die Elite von Wissenschaftlern aus aller Welt die Atombombe für die USA entwickelte, die Japan zur endgültigen Kapitulation trieb und nach dem Ende des 2. Weltkrieges den Rest des 20. Jahrhunderts prägte. „Manhattan“ spielt dabei fast ausschließlich in der eigens für dieses Projekt angelegten Stadt Los Alamos, von den Anwohnern nur „The Hill“ genannt, und legt seinen Fokus auf seine beiden Hauptfiguren, den Underdog Frank Winter (John Benjamin Hickey überzeugt) und Neuankömmling Charlie Isaacs (Ashley Zukerman), wenn auch ein großes Personenkabinett aufgefahren wird: Wissenschaftler (u. a. Daniel „Home Alone“ Stern, der in seiner Rolle meistens in Metaphern spricht), Offiziere, Soldaten, Ehefrauen, Kinder. Alle Figuren – nur ab und zu tauchen reale Personen wie etwa Robert Oppenheimer und Werner Heisenberg auf – sind fiktiv, aber sehr wohl an zeitgeschichtlichen Akteuren angelehnt.

Die Ausstatter haben bei „Manhattan“ ganze Arbeit geleistet, man sieht dem achtsam gestalteten Mikrokosmos gerne zu. Bei „The Hill“ handelt es sich um eine Ameisenfarm, künstlich, ständig – der absoluten Geheimhaltung geschuldet – im Ausnahmezustand. Trotz strikter Trennung beider Bereiche ist das Private politisch, das Politische (oder: Wissenschaftliche) wird privat. Beide Sphären werden mit gleicher Zuwendung bedacht, immer wieder werden Seitenhiebe eingestreut, die auf die Gefahren von Überwachung und staatlicher Willkür hinweisen, heute aktueller denn je.

Dumm nur, dass die Handlung in den letzten Folgen der Staffel stark ausfranst. Statt einige Fragen offenzulassen, um Lust das Kommende zu machen, werden Stränge mit viel Potential vernachlässigt. Auch deshalb lässt gerade die letzte Folge den Zuschauer eher ratlos zurück. Als kurzweiliges „Period Piece“ (wenn auch nicht historisch korrekt) mit einigen tiefgänigen Figuren und guten Darstellern aber ein netter Zeitvertreib.

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