„The Social Network“


Die Verfilmung über den Patentkonflikt des sozialen Netzwerkes Facebook ist weitaus transzendenter als die üblichen Arbeiten von David Fincher. Mehr dazu in der Kritik!

© Sony Pictures
Es umschließt sich eine präsente Kälte beim Sehen von The Social Network. Grund dafür ist nicht nur die eindrucksvolle Bildästhetik oder der pulsierende Soundtrack des Elektro-Duos Trent Reznor und Atticus Ross; Regisseur David Fincher -oder besser gesagt Drehbuchautor Aaron Sorkin- erörtert die Fremdheit des digitalen Zeitalters, dessen totaler Ausbruch der Film umfasst. Durchaus zur Geltung kommt dabei natürlich auch die Verwendung von Digitalaufnahmen und synthetischen Musikklängen, die sich Großteils einer Melodik entziehen und vielmehr die Grundstimmung durch instrumentale Verzerrungen auffangen. Doch der springende Punkt der erörternden Struktur sind seine alles aussprechenden, modellierenden Charaktere, die das Fundament des gegenwärtigen Sozialwesens vertiefen und mit ebenso komplexen, wie auch sich im Kreise drehenden Wortwechseln ein Porträt von Überheblichkeit und Feigheit zeichnen.

Im Zentrum des Geschehens steht die Gier des Erschaffens und Besitzens. Die Erzählung beginnt jedoch mit dem Umgang des Scheiterns: Mark Zuckerberg tut dies in Form von beleidigendem Bloggen im Internet. Dabei schreckt er vor keiner verletzenden Formalität zurück. So reflektiert der Film einen festen Grundstein von sozialen Netzwerken, in denen hetzerische, starksubjektive Äußerungen stets die Überhand haben. Erklärt wird dieses Verhalten mit dem isolierten Sozialwesen des Protagonisten, der aufgrund seiner vollzeitbe­schäf­tigten Tätigkeit als Programmierer kein soziales Feingefühl besitzt. Kontrahierend dem gegenüber steht der von Justin Timberlake gespielte Napster-Gründer Sean Parker, welcher seine Playboy-Präsenz mit ebenso viel Konzinnität und Attraktivität sympathisiert wie ein ansprechender, tausendfachgeteilter Facebook-Beitrag. Denn beide, Parker und der beliebtheitssuchende User, versuchen zum Zwecke des eigenen Erfolgs bzw. der eigenen Popularität ein großes Spektrum mit unzähligen Zusprüchen zu erreichen. Arroganz und Selbstsucht tragen schließlich mit den ausschlaggebendsten Teil zur Kälte von The Social Network bei.

Ganz und gar abrundend wirkt letzten Endes die finale Szene im Film, die für die nachhaltige Aussagekräftigkeit überaus wichtig ist. Denn wenn Zuckerberg seiner von ihm im Blog beleidigter Ex-Freundin eine Freundschaftsanfrage auf Facebook sendet, wird die abstandsgesicherte Feigheit innerhalb sozialer Netzwerke treffend auf den Punkt gebracht.

© Sony Pictures
The Social Network ist aktuell, reflektierend, intelligent und skrupellos. Die Überheblichkeit der Schlüsselfiguren spiegelt sich grandios in deren schnellen, geschärften Dialogen wieder, die weder das Wort des Anderen auf sich wirken lassen, noch die eigene Egozentrik zügeln. Somit kreierten Fincher und Sorkin ein wichtiges Stück Kino über das Fundament des medialen Zeitalters mit geradezu treffsicheren Anregungen.

„The Internet’s not written in pencil, Mark, it’s written in ink.“

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