„I Killed My Mother“


Heute soll es um den Debütfilm des franko-kanadischen Wunderkindes Xavier Dolan gehen.

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©Indigo

Und plötzlich war er da: Mit 19, wie aus dem nichts, betrat Xavier Dolan mit diese Debütfilm die große Bühne des internationalen Films. Die Presse überschlug sich, denn diesen Film hatte er mit 16 Jahren begonnen und dabei alle wichtigen Rollen übernommen. Als wäre die Sensation ohnehin nicht schon groß genug gewesen, lief dieser Film in Cannes an und erhielt überwiegend positives Echo. Es war kein Amateurporno, der aus der Langweile pubertärer Jungs heraus entstanden ist, sondern ein berührendes Beziehungsstück über eine Mutter-Sohn-Beziehung, mit mehr cineastischer Hingabe als im Großteils des modernen Kinos.

„I Killed My Mother“ ist ein ungemein faszinierender Film. Am Anfang sieht man Dolan schwarz-weiß in die Kamera sprechen, die undefiniert an seinem Gesicht klebt. Vorbild dieser Einstellungen sind berühmte Fotografien von James Dean, die im Zimmer von Dolans Filmfreund an der Wand hängen. Eine ganze Reihe solcher Ehrerbietungen, Referenzen und Liebeserklärungen findet sich im Film. Seine Bezugswerke trägt Dolan offen vor sich her, lässt sie nicht nur zum Selbstzweck verkommen sondern mauert sie in eine höhere filmische Ordnung ein. Dabei ist der Film überfüllt von Ideen und Eingebungen, die einzig und alleim dem Bestreben geschuldet sind, eine eigene Bildsprache und selbstständige filmische Codes zu entwickeln. Dies fällt zwar auf, entwickelt aber zu keinem Zeitpunkt einen unangenehmen Beigeschmack; dafür ist das ganze nämlich viel zu strukturiert. Zudem geht alles auf: diese Bilder erzählen von innerer Isolierung selbst wenn man sich physisch Nahe ist, sie transportieren Kälte nach außen, selbst wenn die Farben warm sind. Die Kamera will partout keinen Zugang zu den Charakteren finden. Auch in Momenten, in denen die Figuren sich scheinbar öffnen, bleiben sie immer noch verschlossen. So ist es bloß Konsequent, dass der Film vor dem Ende endet.

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©Indigo

Die Beziehung zu seiner Mutter inszeniert Dolan komplexes Gerüst der Wirrungen und Missverständnisse und lässt oft nichts anderes als die Frage zu, wie es funktionieren soll wenn zwei so unterschiedliche Menschen durch die Verflechtungen der Verwandschaft aneinander gekettet sind. Würde man eine beliebige Mutter und einen beliebigen Sohn nach ihren Beobachtungen während der Sichtung des Films fragen, so würde man gewiss zwei vollkommen verschiedene Antworten erhalten. Denn Dolan skizziert diese Charaktere zwar auf der einen Seite unheimlich detailliert aus, auf der anderen Seite lässt er in ihnen genug Leerstellen, die das Publikum zu füllen hat. So ergeben sich Hochs und Tiefs ganz natürlich und er liefert Erkentnisse, wie das Kunst das allerbeste Aphrodisiakum ist, nebenbei. So entfesselt und kraftvoll dieses Kino ist, so zartbitter-zerbrechlich fühlt es sich an. Überwältigend, zerwerfend. Vielleicht sollten mehr Teenager Filme drehen.

 

 

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