„Zoo: Staffel 1“


Jahrhundertelang war die Menschheit die dominante Spezies. Wir haben die Tiere gezähmt, sie eingesperrt, die zu unserem Vergnügen getötet. Aber was wäre, wenn überall auf der Erde die Tiere beschlossen hätten, dass es jetzt reicht? Wenn sie endlich beschlossen hätten, zurückzuschlagen?

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©Universal

Es gibt Science-Fiction Serien, die sind danach konzipiert, zu Beginn den Zuschauer lediglich durch eine interessante Ausgangsstory und ein faszinierendes Szenario zu fesseln, um ihn nach Möglichkeit bis zum Ende der Staffel von dieser Idee zu überzeugen und somit bei sich zu behalten. Der Nachteil solcher Serien ist leider häufig, dass von Folge zu Folge ein immer stärkeres qualitatives Abbauen der Fall ist. Bei „Zoo“ dagegen ist es anders. Sehr anders sogar. Die Serie, die von der Rebellion der Tiere handelt, schnappt sich das für viele Science-Fiction Serien vorgesehene Konzept und krempelt es vollkommen um. So beginnt „Zoo“ miserabel. Klischeehafte Charaktere, die so flach wie eine Flunder sind, seltsame, lächerlich klingende Theorien über einen angeblich „trotzigen Blick“ in den Augen der Tiere, den anscheinend jeder der Charaktere erkennt, nur dem Zuschauer will sich dieser nicht so recht offenbaren und Menschen, die urplötzlich die Befehlsgewalt über ein Rudel Wölfe besitzen. Wenn man diese Faktoren einfach mal so im Raum stehen lässt, verliert ein Großteil der potentiellen Zuschauer womöglich das sofortige Interesse an der Serie – doch man sollte an dieser Stelle nicht zu voreilig reagieren. Denn „Zoo“ beinhaltet das Phänomen, sich von Episode zu Episode um ein Vielfaches in seiner Qualität zu steigern. So entwickeln sich die anfänglich blassen und stereotypischen Charaktere zu runden, hochinteressanten Figuren mit Emotionen, menschlichen Bindungen und faszinierenden Geschichten. Die Theorien eines angeblich verrückten Wissenschaftlers, unter anderem die des trotzigen Blicks, die in den ersten Folgen noch als Essenz der Serie übermittelt wurden, werden nach und nach verständlich anhand von Beispielen belegt, sodass jene zu Beginn vorhandene Ratlosigkeit über den Sinn derer plötzlich nicht weiter ein Dorn im Auge des Betrachters ist. Stechen tun den Zuschauer dafür die wirklich miserablen Computeranimationen der Tiere, die insbesondere bei schnellen Bewegungen zu realitätsfern auf den Betrachter wirken. Selbiges gilt auch für sämtliche anderen technischen Effekte, sei es nun Feuer, Wasser oder Rauch. Doch während diese Animationen anfangs alles andere als gelungen wirken, so verbessert sich „Zoo“ auch tricktechnisch von Folge zu Folge.

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©Universal

Und „Zoo“ entwickelt sich stetig weiter, baut viele überraschende Wendungen, sowohl in Storyverlauf wie den einzelnen Charakteren ein und eröffnet dem Zuschauer nach und nach zu jeder der Figuren ein Türchen, sodass die anfangs eher undurchsichtigen Motivationen der einzelnen Personen immer verständlicher werden. Außerdem tauchen, je weiter „Zoo“ voranschreitet, immer mehr versteckte Bindungen der Hauptcharaktere zu anderen, in der Serie eher nebensächlich erwähnten Figuren auf. „Zoo“ besteht nämlich aus einem dicken Strang, der von der Suche nach einer Lösung des Tierproblems handelt sowie vielen kleineren Nebensträngen. Diese Nebenstränge handeln beispielsweise von einer Familie, deren Tochter schwer krank ist, oder einem Schwerverbrecher, der in den Todestrakt überführt wird, eben Szenen, die im Kontext der Serie eher unwichtig erscheinen, doch die die Entwicklung der Charaktere wunderbar vorantreiben. So gewinnen diese anfangs unwichtig und eher beiläufig eingefügten Situationen nach und nach mehr an Wichtigkeit, und haben im Endeffekt großen Anteil an der positiven Entwicklung von „Zoo“. Doch „Zoo“ lässt die Situation der Rebellion der Tiere nicht kommentarlos stehen, und gibt eine deftige Portion Kritik an der Behandlung der Tiere durch den Menschen in die Serie. Somit erschuf man hier eine zugegeben sehr fiktiv erscheinende Situation, deren Grundinhalt allerdings auch schon in der 1966er Version von „Planet der Affen“ aufgegriffen wurde, und die keinen angenehmen Eindruck in der Magengegend hinterlässt. Zudem kritisiert „Zoo“ noch die Gefahr von Monopolen und deren kapitalistisches Denken, in dieser Serie durch ein Unternehmen namens ‚Reiden Global‘ verkörpert, insbesondere die negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und möglicherweise auch die ganze Welt.

„Zoo“ vollbringt also nach schwachem Beginn eine eindrucksvolle Leistungssteigerung in allen Sektoren, und entwickelt sich vom einfältigen stereotypischen Charakterdrama zu einem packenden, in imposanten Bildern geschilderten Überlebenskampf. Das einzige, was die nach Beenden der Serie aufkeimende Vorfreude auf die zweite Staffel zu dämpfen weiß, ist der abschließende Cliffhanger der letzten Episode, dessen Fortsetzung höchstwahrscheinlich in einer zu überladenen Materialschlacht enden wird. Doch abwarten, Staffel Zwei erscheint voraussichtlich im Sommer 2016.

Zoo

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Filmschrott sagt:

    Moment mal, das wird gut? Ich habe die ersten Folgen auf Pro 7 geguckt und fand das so unfassbar dämlich, dass ich es einfach lieben musste. Vor allem das Wolfsrudel, dass den Type aus dem Knast befreit, oder die Löwen, die einen Typen auf einem Baum aufhängen. War so herrlich trashig beschweuert. Leider habe ich dann die weiteren Folgen verpasst, wollte das aber auf DVD nachholen. Wenn das aber weniger trashig wird, habe ich glaube ich keinen Bock da drauf. Die Story ist mir generell einfach zu doof, als dass ich das ernst nehmen könnte.

    1. Marc sagt:

      Ja, der Beginn war das Grauen pur. Hab selten solchen Stuss gesehn. Aber wenn du dich mit dem Stuss erst einmal angefreundet hast funzt die Serie richtig gut. Allen schrottliebenden Zeitgenossen würd ich dann aber wirklich lieber abraten. Wobei ich auch von einigen gehört habe, die Serie werde von Folge zu Folge immer schlechter.

      1. Filmschrott sagt:

        Naja, ich mag ja auch „gutes“ TV. Bei der Serie habe ich aber dann doch eher die Hoffnung auf Trash gehabt, einfach weil die Story dafür absolut prädestiniert ist. Vielleicht hole ich das mal nach, wenn der Spaß etwas günstiger ist.

      2. Marc sagt:

        Entweder das, oder du wartest bis Sommer, Pro7 haut die bestimmt alle nochmal raus wenn die auch die zweite Ausstrahlen sollten …

        Ich wäre definitiv interessiert ob ich der einzige bin der eine Steigerung der Qualität in der Serie gesehen hat.

      3. Filmschrott sagt:

        Wenn ich es irgendwann gesehen haben sollte, werde ich berichten.

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