„The Tribe“

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„The Tribe“ erregte in seiner Eigenschaft als filmisches Experiment große Aufmerksamkeit.

©Rapid Eye Movies

Regisseur Myroslav Slaboshpytskiy drehte diesen Film in Gebärdensprache, heißt ohne gesprochenen Dialog. Dazu gibt es auch keine Untertitel. In Cannes sorgte das für ausverkaufte Festivalhäuser, doch wie so oft, muss man sich fragen, ob die Popularität des Filmes nicht eher seiner Machart beziehungsweise seiner Eigenheiten geschuldet ist.
So beginnt die Geschichte um einen neuen Schüler am Internet für Taubstumme, an dem ein „Tribe“ um seine Mitschüler kriminelle Machenschaften ausübt und unter anderem Mitschülerinnen prostituieren, durchaus spannend und athmosphärisch. Slaboshpytskiy gelingt es eine gewisse Abschottung zu vermitteln, die in dieser Paralellwelt der durch ihre Beeinträchtigung Abgeschottenen, zwangsläufig vorherrscht. Stille ist dabei sein bevorzugtes Werkzeug. Bis auf die Umweltgeräusche erlebt der Zuschauer ein rein visuell aufgebautes Seherlebnis, das in seiner scheinbar nüchternen Darstellung der verrohten Handlungen der Jugendlichen zunächst durchaus eine Wirkung entfaltet. Doch „The Tribe“ zeigt vor allem, dass Dialog eine wichtige Sache sein kann. Denn das größte Problem, Charaktere nicht durch Gespräche etablieren zu können, kann Slaboshpytskiy einfach nicht umgehen. Um seine Geschichte voran zu treiben, nimmt er den Figuren jedwede Komplexität. Sie alle sind verkommene Geschöpfe; es gibt keine Ambivalenz in diesem Film. „The Tribe“ plätschert repetitiv vor sich hin in Bildern, die nach einer halben Stunde nicht mehr zu überraschen wissen, auch nicht durch die harte Gewalt und den expliziten Sex. In langen Einstellungen zeigt, ja dokumentiert Slaboshpytskiy dieses merkwürdige Geschehen und rennt dabei auf der Stelle: so zurückhaltend die Kamera ist, so wenig gelingt es ihr den Bildern irgendeine Bedeutung zu verleihen. Ihre Ästhetik ist zu schnell abgenutzt, um nachhaltig zu wirken, und je bierernster Slaboshpytskiy auf diesem nüchternen Stil beharrt, umso mehr hat man das Gefühl es hier mit ganz, ganz großem Kokolores zu tun zu haben.
Im Kern, nämlich, ist „The Tribe“ nichts weiter als ein gewöhnliches, stinklangweiliges Teenagerdrama, dass – man möchte gar behaupten – effekthascherisch seine innere Leere mit Gewalt und Sex zu kaschieren versucht. Durchschaubar wie das ist, gelingt es trotz den verzweifelten Versuchen nie, dem Zuschauer auch nur irgendwie Unbehagen zu bereiten – tatsächlich wähnt sich dieser absolut berechtigt andauernd auf der richtigen Seite. Gewiss ist das nicht zwangsläufig alles schlecht, aber nun mal auch absolut nicht gut. Und so reiht sich „The Tribe“ in eine lange Tradition von Filmen, die aufrgund Thematik und Machart völig unberechtigte Hypes generierten und Lorbeeren ernteten, die sie absolut nicht verdient haben.

 

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