„99 Homes“


Ob Sich „99 Homes“ mit Andrew Garfield und Michael Shannon lohnt, erzählt euch Tim in dieser Kritik!

„99 Homes“ könnte doch glatt der kleine Bruder von „The Big Short“ sein, behandelt dieser doch die Folgen der Immobilienkrise aus der Sicht des „kleinen Mannes“. Regisseur Ramin Bahrani folgt in seinem Drama den mit seiner Mutter (Laura Dern) und seinem Sohn lebenden Dennis, der sein Haus erst durch den Immobilienmarkler Rick Carver (Michael Shannon) verliert, sich dann aber dazu entschließt für ihn zu arbeiten, um seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen zu können. Dabei folgt Bahrani seinen Figuren auf Schritt und Tritt. Er bemüht sich stets ein realistisches Bild der Lebensrealität jener zu zeichnen, die zum Teil Selbst-, zum Teil Fremdverschuldet ihr Heim verlieren und damit ihre Existenz. Diese Verlierer der Immobilienkrise stammen aus allen Gesellschaftsschichten, vom White Trash bis hin zur gutbürgerlichen Mitte. Bahrani ist bemüht ihnen eine Stimme zu geben und lässt keine Konfrontation zwischen ihnen und Dennis, der nun die Seiten gewechselt hat aus. Diese Konflikte sind intensiv und von tiefer Empathie geprägt. Tatsächlich wird dem Zuschauer bisweilen recht eindringlich vor Augen geführt, was ein solcher Verlust des Heimes eigentlich bedeutet.

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©EuroVideo

Größtenteils gelingt es Bahrani somit, seine authentische Darstellung dieser tragischen Schicksale auf natürliche Weise auf die nächste Ebene zu hieven. In seinen besten Momenten ist „99 Homes“ beißende Kapitalismuskritik, die den moralischen Zeigefinger da hinein presst, wo es weh tut. Wenn Rick Carver beispielsweise – Shannon in einem Moment darstellerischer Spitzenklasse – ein Augenblick lang jede restliche Illusion Dennis‘ zerstört und die Missstände eines Systems benennt, das Chancengleichheit lediglich vorgaukelt, erreicht Bahrani ein hohes Level politischer Relevanz. Generell: „99 Homes“ ist ein sehr ambitionierter Film, der alles gibt, um als ein Film politischer Gesinnung anerkannt zu werden. Das funktioniert allerdings nur zum Teil. Man erkennt die Intention des Films, hat die vereinzelt wirklich herausragenden Momente und auch so manches nachhaltiges Bild gesehen, doch so ganz will sich die Überzeugung nicht einstellen, dass man gerade etwas gesehen hat, dass dauerhaft über die notwendige Komplexität verfügt hätte, um sein Thema adäquat zu behandeln. Zu oft opfert der Film sein Potential auf politischer Ebene, um eine flotte und spannende Narration zu gewährleisten.

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©EuroVideo

Nichtsdestotrotz mag man sich wieder eimal wundern, weshalb es über anderthalb Jahre gedauert hat, bis „99 Homes“ endlich den Weg auf die deutschen Bildschirme gefunden hat. Sein Thema ist hochaktuell und mit Ex-Spider-Man Andrew Garfield in der Hauptrolle nicht nur prominent, sondern vor allem auch sehr gut besetzt, da er seit „Boy A“ die beste Leistung seiner Karriere liefert, mit seinem auf Intensität durch Subtilität setztenden Porträt des Mannes, der zwischen dem Wunsch für seine Familie zu kämpfen und den moralischen Skrupeln, die ihn plagen, steht. Gewiss einen Blick wert, startete „99 Homes“ am 7. April auf DVD und Blu-Ray in den heimischen Läden.

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