„Der Admiral – Kampf um Europa“


Ein Monumentalfilm aus dem nahen Holland? Das könnte interessant werden!

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©Lighthouse

Die Niederlande versuchen sich in einem neuen Genre. „Der Admiral“ ist insofern interessant, dass er einen Film aus einem Land zeigt, das größtenteils für die frühen Werke Paul Verhoevens bekannt ist – welche allesamt mit wenig Action, dafür aber viel Inhalt auskamen. „Der Admiral“, ein sich als Schlachtenepos aufspielender Film, ist ein netter Versuch des Landes in ungewohntem Territorium. Viele gute Ansätze sind vorzufinden, darunter ein gewisses Maß an Epik und Pathos, das in den Schlachtenszenen sehr gut zur Geltung kommt. Das für das Genre angemessene Maß an Brutalität darf dabei auch nicht fehlen. Diese durchaus imposanten und blutigen Gefechte scheinen in vielen Fällen wirklich handgemacht und liebevoll zu sein, doch hin und wieder drängen sich dem Zuschauer doch Zweifel des Realismus aufgrund der an einigen Stellen wirklich miserablen Computeranimationen auf.

Doch „Der Admiral“ belässt es nicht dabei, Pathos und Epik nur im Schlachtengetümmel einzusetzen, und so findet man alle gefühlte fünf Minuten eine vor Pathos nur so triefende Rede, untermalt mit einem oberflächlich-emotional wirkenden Soundtrack. Die Lächerlichkeit einiger dieser Szenen, die eigentlich viel viel besser ohne diese Art der Unterlegung ausgekommen wären, zerstört viel des sprachlichen Inhalts der geführten Ansprachen. Übertriebene Epik wird zudem durch viel zu häufig verwendete Slow-Motion Aufnahmen erzeugt, Kitsch durch den jedes Mal bei einem Todesfall einsetzenden Engelschor, und selbst ein gewöhnlicher Spaziergang findet eine überladene musikalische Untermalung. Da tragen auch die lediglich mittelmäßig aufspielenden Akteure nicht zur Besserung bei, deren dargestellte Charaktere die meiste Zeit irrational und unverständlich handeln, ohne dass einer der Darsteller den Zuschauer über den Sinn einer dieser Szenen aufklärt oder zumindest einen Anhaltspunkt liefert. Auch dass der Name Rutger Hauer ganz groß auf dem Cover thront sollte mit Vorsicht genossen werden, denn dieser großartige Schauspieler, der darstellerisch das Oberhaupt der Leistungen in diesem Film personifiziert, ist gerade einmal für lasche 2 Minuten zu sehen.

„Der Admiral“ ist kein sonderlich guter Film, aber auch nicht schlecht. Dienen tut er insbesondere als kleinen Wachrüttler für die Filmindustrie der Niederlande und Umgebung, sich mal in einem anderen Genre zu versuchen. Denn „Der Admiral“ tut, was wohl kein Hollywoodfilm tun würde; er wirft einen Blick auf ein Stück niederländischer Geschichte, das garantiert in keinem amerikanischen Monumentalfilm einen Platz gefunden hätte. Somit dient dieser Film zumindest als kleine, wenn auch nicht vollständig korrekte Geschichtsstunde über den Volkshelden Michiel De Ruyter.

Der Admiral

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