„Der Staat gegen Fritz Bauer“

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Mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ erscheint demnächst ein Bio-Pic über einen der zu Unrecht Vergessenen der Geschichte. Ob sich der Film lohnt, erzählt euch Tim in seiner Kritik!

©Al!ve

Fritz Bauer ist kein bekannter Name. Angesichts der Dienste im Namen der Aufklärung, die dieser im Nachkriegsdeutschland gegen ein Vergessen der Verbrechen und Verbrecher des Nationalsozialismus geleistet hat, ist dies eigentlich erschreckend. Wohl genau das musste Regisseur Lars Kraume dazu gebracht haben, diesem Mann einen Film zu widmen, der sich mit Bauers Beteiligung an der Entführung des geflohenen SS-Manns Adolf Eichmanns, seinem Kampf in den eigenen Reihen des deutschen Staatsapparates und ebenso dessen Homosexualität befasst.

Tatsächlich ist dieses filmische Denkmal nur halbgar geraten. Zuviele stilistische Keulen schlägt sich Kraume zwischen die eigenen Beine. Alle Charaktere des Films, bis auf die beiden Protagonisten, sind schlecht geschrieben. Sie sind entweder auf der guten oder falschen Seite. Ambivalenz gibt es nicht in „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Die Zeichnung der Gegenspieler Bauers reduziert sich auf die üblichen Floskeln und Gesten stereotypischer Altnazis, die immer noch heimlich vom Endsieg träumen. Gewiss wollte Kraume damit, auf die Vertreter rechter Ideologien hinweisen, die sich in unserer Mitte verstecken, doch die haarsträubende Sache an ihnen ist eben, dass man sie nicht per Fingerschnippen ausmachen kann – anders als im Film.

Ebenfalls ist die Position des Films zum Fall Eichmanns zu einfach gewählt und suggeriert dem Zuschauer, dass man diese Seite vertreten müsse, denn sie wäre schließlich die einzig richtige. Das Verhalten der BRD im Bezug auf Eichmann, nämlich, dass diese keinen Auslieferungsantrag an Israel stellte, wird schärfstens Verurteilt. Tatsächlich muss man jedoch sehen, dass alleine die Entfühung Eichmanns durch den Mossad (Eichmanns Untaten selbst sollen hier keinesfalls heruntergspielt werden), eine nicht legitime Handlung war, die man durch einen Auslieferungsantrag unterstützt hätte.
In seiner Ästhetik ist der Film durchaus ein zweischneidiges Schwert: Er sieht anders als zu viele deutsche Kino-Produktionen nicht aus wie ein TV-Produktion (oder: zumindest nicht wei eine aus dem deutschen Fernsehen) und sein Anbiedern am Film noir lässt doch einen recht interessanten, nicht unbedingte gut gelungenen, Eindruck davon Entstehen, wie wenig sich oft die Methoden der Staatsmänner von denen der Unterwelt unterscheiden – generell ist die Unterwelt in Kraumes Film ein Ort der verpönten und verbotenen Fantasien in der Sehnsüchte ausgelebt werden. Ein zwar nicht ins Ohr gehender, aber dennoch recht ordentlicher und in die Szenerie passender Jazz-Soundtrack lässt stellenweise ein Gefühl von Athmosphäre aufkommen.

Dennoch muss man über diesen Film ganz klar sagen, dass seine negativen Apsekte überwiegen. Zu oft greift man sich als Zuschauer an den Kopf. So gibt es einen Moment, in dem Bauer die Homosexualität eines jüngeren Kollegen, der einen jüngeren Bauer darstellen soll, durch einen Blick auf dessen in schöne Schuhe und bunte, auffällige Socken gekleideten Füße ausmacht. Auch das Schauspiels Burghart Klaußners in der Titelrolle lässt viel zu wünschen übrig, geht in seiner Perfomrance doch oftmals unter, dass Fritz Bauer eben kein rachsüchtiger Jude, sondern einer von dem sehnlichen Wunsch nach Aufklärung und Gerechtigkeit Getriebener war, den diese Obsession schließlich bestimmte.

So schließt sich, bedauerlicherweise, „Der Staat gegen Fritz Bauer“ der Reihe deutscher Geschichtsstoffe im Kino an, die so gar nicht uninteressant sind und durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, jedoch aufgrund einer Unpräzension, die der Umgang mit solcherlei Stoffen nunmal erfordert, doch scheitern ihre gutes Anliegen einem Publikum anspruchsvoll zu vermitteln.

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  1. Sehr gute Kritik, die ich nicht nur nachvollziehen sondern auch bedingungslos unterschreiben kann. 😉

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