„Von Caligari zu Hitler“


Mit „Von Caligari zu Hitler“ erwartet uns demnächst eine Dokumentation über die glorreiche Zeit des Kinos der Weimarer Republik und die damit verbundenen nationalsozialistischen Prophezeiungen.

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Was weiß das Kino, was wir nicht wissen? Was ahnte das Kino voraus, was wir nicht taten? Was prophezeiten Filme wie „Dr. Mabuse“, „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“? Steckt im Kino mehr Realität, mehr Wissen, mehr Wahrheit, als man heute vermuten würde?

Diese Ausgangsthesen aufstellend beginnt „Von Caligari zu Hitler“, eine spannende und faszinierende Reise durch die große Zeit des deutschen Kinos. Zur Hilfe, oder um es präziser auszudrücken, als Leitfaden verwendet Rüdiger Suchsland die Theorien und Hypothesen von Siegfried Kracauer, die zugleich die Essenz des Filmes bilden. Kracauer stellte bereits 1947 seine brillanten Thesen über die Vorausahnung des Nationalsozialismus durch die Filme der Öffentlichkeit in seinem gleichnamigen literarischen Werk vor. Kracauer schrieb darin:

„Rettungslos der Regression verfallen, musste die Mehrheit des deutschen Volkes sich einfach Hitler ergeben. Da Deutschland so verwirklichte, was in seinen Filmen von Anfang an bereits angelegt war, nahmen die Leinwandgestalten tatsächlich Leben an. Als personifizierte Tagträume, die Köpfen entsprangen, denen Freiheit ein tödlicher Schock und das Jungsein ständige Versuchung bedeutete, füllten diese Figuren die Arena im Deutschland der Nazis. Der leibhaftige Homunculus ging um. Selbsternannte Caligaris hypnotisierten zahllosen Cesares Mordbefehle ein. Rasende Mabuses begingen wahnsinnige Verbrechen und gingen straffrei aus, und irre Iwans erdachten unerhörte Folterungen.“

Bei einem genaueren, analytischen Blick auf die Filme des Kinos der Weimarer Republik stellt sich heraus, dass Kracauers Thesen begründet sind. In „Dr. Mabuse“, einem Film von Fritz Land über ein kriminelles Genie, das allgegenwärtig ist und nach und nach zu einem Phänomen, einer Beeinflussung der Menschenmassen mutiert oder in „Das Cabinet des Dr. Caligari“ werden diese Mutmaßungen Kracauers besonders deutlich bestätigt. Caligari beispielsweise ist Symbolbild für Hitler, sein Somnambule Cesare für die ihm blind gehorchende Nation. In anderen Epen, wie den „Nibelungen“, welcher später von Joseph Goebbels als Propagandafilm der Nazis missbraucht wurde, zeigen sich ebenfalls deutliche Bezüge zum späteren Auftreten der Nationalsozialisten. Kracauer meint dazu:

„Viele von der Leinwand her bekannte Motive wurden in dieser unheiligen Prozession zu lebendigen Ereignissen. In Nürnberg erschien das Ornament der Masse aus den „Nibelungen“ in gigantischen Ausmaßen: ein Meer von Flaggen und Menschen, die kunstvoll ausgerichtet waren.“

Die populären, großen Produktionen der Weimarer Republik, die vom Publikum nahezu verehrt wurden beinhalteten meiste alle eine Gemeinsamkeit; die glorreiche Darstellung einer Führergestalt. Kracauer sieht darin den Wunsch der Nation nach einem Führer, nach jemandem, der die nach wie vor verheerenden Krisen des Ersten Weltkriegs endgültig beenden und Deutschland wieder stark machen würde. In den Filmen der Weimarer Republik steckt mehr Deutschland, mehr Zeitgeist, mehr Nation als es nach außen hin scheint, mehr Einfluss von realen Gefühle als man es aus dem heutigen deutschen Kino kennt. „Von Caligari zu Hitler“ demonstriert eindrucksvoll ein Bild der 20er- und frühen 30er-Jahre, stellt viele Thesen und anschließende Analysen derer auf und entführt den Zuschauer in eine Epoche, in der der deutsche Film noch aus mehr als dem sonntäglichen Tatort bestand.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Auf die Doku bin ich schon sehr gespannt!

    1. Marc sagt:

      Wenn du geschichtlich interessiert bist und eine Liebe zu den 20ern und frühen 30er deutschen Kinojahren entwickelt hast dann wird die auch für dich ein höchst interessanter, eskapistischer Ausflug der Superklasse sein!

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