„Mustang“


„Mustang“ ist einer der fünf Filme, die in diesem Jahr für den Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert wurden. Und das aus einem guten Grund, wie sich in dieser Kritik gleich herausstellen wird.

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©Weltkino

Lale und ihre vier Schwestern wachsen nach dem Tod der Eltern bei ihrem Onkel auf. Als sie beim Herumtollen mit ein paar Jungs im Meer beobachtet werden, lösen sie einen Skandal mit schwerwiegenden Folgen aus. Durch ihr als schamlos betrachtetes Verhalten sieht sich ihr Onkel gezwungen, das Haus in eine Festung umzuwandeln.

„Mustang“ ist also ein Stück weit eine Coming-of-Age Geschichte. Eine Geschichte allerdings, wie sie eher ungewohnt in dem Genre ist. In „Mustang“ wird die aufwachsende Protagonistin mit ihren Schwestern abgeschottet von der Außenwelt gehalten, in Gefangenschaft ihres Onkels, damit sie bloß nicht verderben. So spielt sich ein Großteil des Filmes in besagtem Familienhaus ab, doch die wirklichen Stärken offenbart „Mustang“ durch die hin und wieder geschehenden erfolgreichen Fluchtversuche seiner Protagonistin. Denn dann schlägt die einengende, deprimierende Stimmung des Filmes schlagartig in eine fröhliche, euphorische und befreiende um. Mit dem Eintritt in die Außenwelt und dem Erlangen der Freiheit fällt dem Zuschauer ein schwerer Mantel von den Schultern ab. Er kann die Freiheit der Protagonistin Lale förmlich spüren, sie wird durch die Leinwand auf ihn übertragen. In diesen Momenten macht „Mustang“ dem Zuschauer die Bedeutung und die Schönheit dessen bewusst, was Alltag für ihn ist. „Mustang“ ist ein Film, der nur so strotzt vor Kraft und Lebenslust, der durch sein rührendes und nachdenklich stimmendes Ende einen länger anhaltenden Eindruck im Herzen des Zuschauers hinterlässt.

Doch trotz der ausbrechenden Emotionen versinkt „Mustang“ niemals im Kitsch, er vergisst niemals seine Authentizität beizubehalten. Sorgen tuen dafür zum einen der leise, sentimental stimmende Soundtrack und die harte, intensive Geschichte, aber auch ganz besonders die Darsteller, allen voran die gänzlich unbekannten jungen Mädchen, die jeden erwachsenen Akteur in diesem Film an die Wand spielen. Insbesondere die Darstellerin von Lale, Günes Sensov, könnte eine große schauspielerische Zukunft bevorstehen, wenn die Academy „Mustang“ die Anerkennung zukommen lässt die er verdient.

Denn „Mustang“ ist ein wundervoll authentischer Film über das Streben nach Freiheit, über die Unerklärbarkeit des Phänomens Liebe, über die Lebenslust unschuldiger Kinder und die Unvermeidbarkeit des Prozesses des Aufwachsens. „Mustang“ ist nicht weniger als einer der schönsten Filme der letzten Jahre, dessen Intention sich wohl am besten in den Worten Ian Malcolms zusammenfassen lässt; wenn uns die Evolutionsgeschichte eines gelehrt hat, dann doch das, dass das Leben sich nicht einsperren lässt. Das Leben bahnt sich seinen Weg, es überwindet sämtliche Barrieren, ob schmerzlich oder gefährlich, aber so ist es. Das Leben findet einen Weg.

Mustang

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