„Die Leiche der Anna Fritz“


Der spanische Filmstar Anna Fritz stirbt unerwartet. Als ihr Leichnam in die Pathologie gebracht wird, können der dort arbeitende Paul und seine zwei Freunde der Versuchung ihres schönen Körpers nicht widerstehen. Doch dann schlägt Anna Fritz plötzlich die Augen auf …

dieleichederannafritz_1
©Capelight

„Die Leiche der Anna Fritz“ ist in der Hinsicht eine Überraschung, dass der spanische Regisseur Hèctor Hernández Vicens hier ein waschechtes Kammerspiel inszeniert hat. Die beinahe gesamte, in 77 Minuten verpackte Handlung findet in der Leichenhalle mit Anna Fritz Körper drin statt. Man muss „Die Leiche der Anna Fritz“ allerdings zu Gute halten, dass er zumindest versucht, seine Story mit gerade mal vier Akteuren zu realisieren. Dass es bei einem Versuch bleibt ist der fade Beigeschmack dieses Experiments. Denn was sich anfangs noch als kreatives, Lust auf mehr machendes Werk darstellte weicht ziemlich schnell einer Eintönigkeit. Die inszenatorischen Fähigkeiten des debütierenden Regisseurs lassen zu wünschen übrig, die Motivation der Darsteller hält sich arg in Grenzen, und so wirkt auch das Endprodukt platt und uninspiriert. Zu dieser mäßigen Nummer trägt auch die schwache Kameraführung bei, deren Verantwortlicher nie so recht zu wissen scheint, was er dem Zuschauer nun eigentlich genau zeigen möchte. Stellenweise sehr an Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ erinnernd versucht der Kameramann diesen mit ähnlichen Einstellungen nachzuahmen, mit mäßigem Erfolg. Die während des Filmes aufkeimenden, teils gravierenden Logiklöcher und offen gelassenen Fragen, nämlich das „Wieso? Weshalb? Warum?“, auf die vermutlich auch die Macher keine wirkliche Antwort wussten fallen ebenfalls sehr unangenehm und negativ auf.

Glücklicherweise stellt der Film seinen Charakter Anna Fritz nicht als unterwürfige, charakterlich schwache Frau dar, wie man es während der Sichtung häufig vermutet, da eine lange Zeit unklar bleibt, ob das Werk nun die Taten der drei Männer verurteilt oder möglicherweise sogar glorifiziert beziehungsweise sie als Nebensächlichkeiten mit der Hand zur Seite fegt. So stellt das Ende den Zuschauer doch noch einigermaßen zufrieden und sorgt zumindest dafür, dass der Film gerade noch im Bereich des durchschnittlichen Thrillers angesiedelt werden kann, ohne dabei als sexistisch oder gar frauenfeindlich zu gelten. Diesen Film als sehr feministisch zu bezeichnen wäre dennoch einen Schritt zu weit.

Die Leiche der Anna Fritz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s