„Gottes General“


Frisch erschienen mit toller Besetzung und tollem Komponisten. Taugt „Gottes General“ was?

©Pandastorm

Tatsächlich kommt bei „Gottes General“ Wehmut auf, ist dieser Film doch tatsächlich das letzte Werk zweier Kinolegenden. Sowohl Peter O’Toole als auch James Horner geben hier eine Abschiedsvorstelung. Und in Anbetracht der Qualität des Endprodukts steigert sich diese Wehmut gleich weiter. Dabei wundert man sich eigentlich bei den Namen auf dem Cover – neben den genannten auch Andy Garcia in der Hauptrolle, sowie Oscar Isaac und Eva Longoria an seiner Seite – weshalb man dieses prominent besetzte Historienepos den Weg ins Kino nicht gefunden hat.

Ernüchterung folgt schnell bei Sichtung: Das Regiedebüt von Dean Wright ist formal eine Schande und ideologisch bedenklich. Das liegt zum einen an den furchtbaren Bildern, die weder die Kraft besitzen, ihre Sache ordentlich zu verkaufen, noch von einem ästhetischen Wert sind. Die Hochglanzbilder eines von der Revolution gebrandmarkten und sich zwischen den Fronten verhärterter Ideologien befindlichen Mexikos wirken zum Teil wie aus dem Katalog eines Vintage-Modeausstatters, zum anderen Teil wie die inszenierten Sequenzen einer im Nachmittagsprogramm öffentlich-rechtlicher Sender ausgestrahlter Geschichtsdoku. Daran vermögen eben auch die Stars oder die aufdringliche Musik Horners, ein nichtssagendes Best-Of früherer Arbeiten, nichts zu ändern.

Noch schlimmer ist wohl nur noch der vom Film verkörperte Glaube an einen guten Krieg. Unter dem Deckmantel demokratischer Werte, wird hier subtil für die Allmacht Gottes geworben. Jede Ambivalenz und Mehrschichtigkeit, jedes Feingefühl und alle Zwischentöne sind schnell dahin. In seiner einseitig-einfältigen Darstellung gibt es halt die Guten und die Bösen. Das ist in diesem Genre nichts Neues, nein, aber das alles wäre natürlich auch nur halb so schlimm, hätte man nicht jeden dramaturgischen Kniff, jede Einstellung und jeden Dialog nicht schon einmal wo anders gehört. Aber spätestens dann wenn sich Kinder aus Überzeugung zum Glauben und sich der gesamten Film in – paradoxerweise – leidenschaftslosem (oder vielleicht besser gesagt: mit einer mangelnden Spürbarkeit inszeniertem) Hurra-Pathos daran aufgeilt, ist das so dumm-dämlich, dass man seinen eigenen Augen ob dieser cineastischen Einfallslosigkeit nicht mehr trauen möchte.

Aus einer eigentlich unfassbaren Nicht-Ästhetik geboren ist dieses Stück mexikanische Kirchenhistorie mit Pistolero-Ballerei ganz und gar ungenießbar. Bei diesem gnadenlosen Dilletantismus aller Beteiligten, dem gnadenlosen Verschenken grandioser Darsteller ohne den Hauch einer Chance sich zu beweisen und dem schmerzlichen Anbandeln an großen Klassikern bleibt nur zu hoffen, dass sich an der Unbekanntheit des Films auch trotz des in kürze Bevorstehenden DTV-Release nichts ändert.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Klingt ganz furchtbar. Mich hatten ja, als die Promo-Mails zum Film kamen, die Darsteller gereizt, der Trailer hingegen zu fragwürdigen Pathos versprochen, als dass ich mir dann ein Exemplar geordert hätte. Immerhin wurde anscheinend kein Etikettenschwindel betrieben.

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