„The D Train“


Da „The D Train“ in den meisten Lichtspielhäusern nicht zu sehen war, sei ihm wenigstens das Heimkino-Release gegönnt, denn schlecht ist die abwechslungsreiche Bromance keinesfalls.

© Sony Pictures

Jack Black spielt in „The D Train“ eine isolierte Seele, die nichtmal als Ehemann oder Familienvater taugt. Seine beste Zeit ist -wenn sie es überhaupt war- schon lange vorbei: Die High-School. Ebenso geht es seinem ehemaligen Schulkameraden Oliver Lawless, gespielt von James Marsden, der jedoch im Gegensatz zu Blacks Charakter Dan Landsman der große Mittelpunkt seines Jahrganges war. Nachdem Dan Oliver in einem Werbespot wiedererkannt hat, sieht er in ihm nicht nur die Chance sein langersehntes Klassentreffen zu organisieren, sondern sogar ein besseres Immage seines Ichs zu zeichnen. Kurzerhand fliegt er nach Los Angeles, um ihn von der Jahrgangswiedervereinigung zu überzeugen. Doch was als nett geplanter Abend in einer Bar anfängt, endwickelt sich in eine Exzesse, die im Rausch des Alkohol- und Drogenkonsums zum Geschlechtsverkehr der beiden führt.

Dieser Auslöser für den eigentlichen Kern der Handlung könnte wohlmöglich äußerst unangenehm für einige Zuschauer sein, da die Homosexualität (auf Olivers Wesen bezogen eher die Bisexualität) als Selbstverständlichkeit gezeigt und wie eine heterosexuelle Affäre behandelt wird. Das ist in dem Sinne ein mutiger Schritt für den Film, da er die gegenwärtig immer noch existierende Inakzeptanz von gleichgeschlechtlichem Sex vollkommen außer Acht lässt und damit zwar sicherlich kein großes Publikum gewinnt, doch umso moderner ist. Äußerst konservativ hingegen ist der synthetische Score im Stil der Achtzigerjahre-Musik, der gemeinsam mit einigen zündenden Songs dieser Zeit den nachschwärmenden Geist der Protagonisten belebt.

Die in Nostalgie schwelgenden und in der modernen Zeit fremdfühlenden Figuren, dazu gehört ebenfalls Jeffrey Tambor als Arbeitgeber von Dan, sind der ausschlaggebende Grund für die wiederholend auftretende Melancholie des Filmes. Allesamt sehnen sie sich nach vergangenen Zeiten, in denen die möglichen Wegbeschreitungen unbegrenzt und ihr Potenzial noch volleinsatzbereit war. Es sind desorientierte Charaktere, die jedoch alle als Stereotypen personifiziert sind. An diesem Punkt ist der Film leider äußerst konventionell und versucht letzten Endes doch noch für eine einfache Masse relativ zugänglich zu sein. Das ist schade, denn so schweift „The D Train“ im Endprodukt doch mehr in den Mainstream und lässt seine Geschichte recht simpel ausklingen.

© Sony Pictures

Zündende Gags sucht man in diesem Film vergeblich, doch darauf legt das Drehbuch auch keinen allzu großen Wert. Viel entscheidender ist die Aussage des Films, nicht zu sehr vergangenen, lebhaften Zeiten nachzutrauern, sondern seine Lebenslust der Gegenwart zu spenden. Nebenbei ist der offene Umgang mit Homosexualität ein bemerkenswertes stilistisches Mittel, das trotz unserer aufgeklärten Gesellschaft viel zu selten akzeptiert wird.

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