„Club der roten Bänder: Staffel 1“


Heute erscheint die erste Staffel „Club der roten Bänder“ Wie gut ist die Serie?

Im Krankenhaus schließt eine Gruppe Erkrankte Freundschaft um die alltäglichen Probleme dort nicht alleine durchstehen zu müssen. Leo und Jonas, denen aufgrund einer Krebserkrankung das rechte Bein amputiert werden musste, Hugo, ein komatöser Junge der nach einem Sprung vom 10-Meter Sprungturm in diesen Zustand fiel, Emma, die unter Magersucht leidet, Alex, der eine schwere Herzerkrankung hat und Toni, der leicht autistisch veranlagt ist und sich bei einem Motorradunfall beide Beine gebrochen hat. Zusammen mit all ihren Ecken und Kanten gründen sie den „Club der roten Bänder“ bezogen auf die Operationsbändchen, die man nach dieser ausgehändigt bekommt.

Vergleicht man das Konzept dieser Serie mit Filmen aus internationaler und nationaler Produktion, sind zum einen Filme die sich mit Krebserkrankungen auseinandersetzen manipulativ, deutsche Eigenproduktionen aus dem Bereich Drama vorhersehbar nach üblicher Genreklaviatur. Man konnte mit dem schlimmsten rechnen, damit, dass manipulativ versucht wird Gefühle zu wecken, dass sich eine schnulzige Liebesgeschichte mit Gefühls- und Partnerirrungen offenbart, dass jegliche Klischeeklaviatur bis zum Erbrechen durchgeleiert wird. Aber „Club der roten Bänder“ schafft es, etwas eigentsändiges zu entwickeln, emotionale Komponenten so fein nuanciert an den Zuschauer zu übermitteln und nur den geringsten Anteil an Kitsch zu bieten. Selbstverständlich kommt auch „Club der roten Bänder“ nicht ohne Manipulation aus, aber diese tolle Geschichte über Freundschaft und menschlichen Zusammenhalt erwischt einen emotionaler als man am Anfang denken könnte.

Natürlich bleiben viele Charaktere, besonders in Arztposition oder die Elternteile, zu blass, aber das zentrale Feld der Protagonisten, welches absolut authentisch von den Jungdarstellern verkörpert wird, bekommt eine Menge Hintergrund und Profiltiefe, was dem Zuschauer eine Bindung erlaubt und eben die Wirkung der tragischen Momente verstärkt. Selbstverständlich gibt es Folgen mit Leerlauf oder Fokussierung auf Nebensächlichkeiten, Dinge die nur als Mittel zum Zweck passieren (der einzige Junge der Leo helfen kann sein neues Bein zu besorgen ist natürlich das Arschloch vom Basketballplatz),  die Inszenierung, dass Toni den komatösen Hugo versteht ist sicher auch etwas zu over-the Top, aber es sind gerade die kleinen Szenen die aus dieser Serie ein absolut tolles Gesamtwerk machen. Wenn die Gruppe sich am Bett versammelt um für Hugo zu singen und zum Entschluss kommt, das erste Lied zu nehmen das kommt, entpuppt sich das als einer der schönsten Momente der Serie. Gerade im Bezug auf das Schicksal der Jugendlichen und dem tragischen Kontext, rührt David Bowie zu Tränen.

Keine der ängstlichen Erwartungen wurde erfüllt. „Club der roten Bänder“ ist eine absolut sehenswerte Serie, die Dramatik  in feinen Nuancen vermittelt, jedem Hauptcharakter genügend Profil gibt, Tragik und Komik in richtigen Maßen zeigt und mit zwei besonders authentischen und emotionalen Szenen daherkommt. Tatsächlich eine der größten Überraschungen des noch so jungen Jahres! Außerdem gucken sich die 463 Minuten sehr schnell weg.

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