„Taxi Teheran“


Der Gewinner des goldenen Bären ist ab Freitag 29.01 im Handel erhältlich!

©Weltkino

Der Regisseur Jafar Panahi jobbt aufgrund seines Berufsverbotes als Taxifahrer in Irans Hauptstadt Teheran und filmt dort mit gefestigter Kamera seine Beifahrer. Im Laufe des Tages treffen die verschiedensten Ideologien und politischen Weltanschauungen aufeinander und hinterlassen ihre Wirkung auf Panahi.

„Taxi Teheran“ ist wie ein Kaffeekränzchen: Er behandelt alltägliche Dinge aus dem Umfeld und schweift an ihnen vorbei, ohne sie einmal konsequent zu behandeln. Regisseur Panahi ist in diesem Film äußert politisch und vertritt stets eine demokratische, gesellschaftlich ausgewogene Haltung. Er verzichtet -gezwungener Maßen aufgrund seines aktuellen Standes wohlmöglich- vollkommen auf jegliche Ästhetik und visualisiert sein Drehbuch auf unspektakulärste Weise. Demnach liegt es nur den Dialogen in den Händen, den Zuschauer für sich zu gewinnen. Doch wie sehr auch Panahi in Form der Fahrgäste seinen inneren Konflikt mit der theokratischen Politik und abergläubischen, vorurteilenden Gesellschaft seines Vaterlandes veräußert, schafft er es zu keinem Zeitpunkt eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Die Dialoge wirken dabei wie aus einem aufklärenden Lehrbuch mit leichtem Unterhaltungsfaktor. Zudem bietet der Film auch noch schauspielerisch keine prägnanten Passagen, da der Großteil eher aus lockeren Alltagsgesprächen besteht.

Im Laufe seiner Spielzeit entwickelt „Taxi Teheran“ zu seinem Bedauern einen steigenden Gemütlichkeitsfaktor, unter dessen Führung der Demokratie-Appell und die gesellschaftlichen Aspekte viel zu schnell verloren gehen. Eintönig klappert das Drehbuch seine politischen Probleme ab und verliert sich dabei in völliger Monotonie. Rückschauend ist Jafar Panahis dritter, geheim inszenierter Spielfilm ein politisches Statement an den theokratischen Iran und eine trockene Umsetzung seiner Gesellschaftskritik. Fragend bleibt trotzdem die Auszeichnung des Goldenen Bären, da „Taxi Teheran“ neben seinen aufklärenden Facetten kaum künstlerische Zeichen setzt. Vielleicht liegt es an Panahis Status in der iranischen Filmindustrie, dass er sich bei der Gestaltung des Filmes nicht ausleben konnte, doch hätte er wenigstens seine Problematiken wirksamer und konsequenter umsetzten können.

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