„The Revenant“


Iñárritu ist im Oscar-Rausch. Sein letzter Film „Birdman“ ist nicht mal ein Jahr alt und schon schickt er sein nächstes Pferd ins Rennen für die goldene Trophäe. Kann „The Revenant“ an den Erfolg von seinem Vorgänger anknüpfen?

© Fox

Während einer Expedition durch die Landschaften der USA zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) von einem Grizzlybär schwerverletzt. Seine Truppe glaubt nicht an sein Überstehen, allen voran John Fitzgerald (Tom Hardy). Kurzerhand beschließt er Glass ohne Waffen zurückzulassen. Doch Glass gibt nicht auf und schwört Rache zu nehmen.

Um die vorherige Frage zu beantworten: Ja, leider. Iñárritu setzt nochmal einen obendrauf und visualisiert das eher plumpe Drehbuch mit gewaltigen Bildern und erschütternder Brutalität. Zusätzlich holt er zwei der besten, gegenwärtigen Schauspieler mit ins Bot. Leonardo DiCaprio setzt seine cineastische Metamorphose fort und scheut vor Hässlichkeiten keinen Funken mehr zurück. Nur kommt bei so viel Screentime der neuzeitige „Mann mit den 1000 Gesichtern“ Tom Hardy deutlich zu kurz. Dennoch ist das nur ein Minimum an Mängeln. Das enttäuschendste am ganzen Film ist nämlich seine Substanzlosigkeit.

Neben der atemberaubenden Ästhetik und der konsequenten, expliziten Brutalität ist es beinahe traurig, dass dem Zuschauer am Ende nur die ergötzten Landschaftsbilder bleiben. Selbst die Charaktere bleiben unhinterfragt und stellenweise oberflächlich gezeichnet. Iñárritu findet leider nicht das nötige Gleichgewicht und schwankt zwischen leeren Monologen und bedeutungsschwangeren Bildern. Im Mittelteil streckt sich sogar der Film mit nahezu trägen Dialogpassagen, womit die zweieinhalb Stunden Laufzeit auf gute zwei Stunden besser verteilt wären.

Zum Ende hin gibt es dafür ein grandioses Finale und die erstmalige Substanznäherung des gesamten Films. Sowohl die Visualität, als auch die Suspense kommt in den letzten zwanzig Minuten auf Hochtouren. Die allseits in Frage gestellte Moral des Films findet in seinem Ausklang schließlich den nötigen Ton und wirkt bei weitem nicht so aufgezwungen wie die sinnlosen Auszüge des Mittelteils. Als eine Empfehlung ist „The Revenant“ demnach nur teils zu betiteln. Am Ende bleibt dem Zuschauer schließlich nur noch die wundervolle Ästhetik und ein konsequent inszeniertes Blutbad, ohne den Großteil hinterfragen zu müssen. Der Western-artige Showdown ist das einzigwahre sehenswerte von Iñárritu’s Beitrag zur kommenden Oscarverleihung. Ein spannendes Machwerk, perfekt für die Oscar-Schablone geformt.

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