„Tartüff“


Friedrich Wilhelm Murnau ist, neben Fritz Lang, der wohl beste Regisseur des deutschen Stummfilms. Sein Film „Tartüff“ stellt keine Ausnahme dar.

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©Universum Film

Murnau beginnt seinen Film mit der Ausgangssituation eines alten Greises, der sein Testament verfasst. Seine Hausfrau, die ihn immer gut gepflegt hatte, macht sich durch das plötzliche Auftauchen seines Enkels Sorgen um ihr Erbe, und trickst den alten Mann gekonnt mit einer Lüge seinen Sohn betreffend aus. Als der Enkel Wind davon bekommt, schmiedet er einen Plan, um seinen Großvater vor der Frau zu warnen, der inzwischen die Idee gekommen ist, den Greis zu vergiften um so schneller an das Vermögen zu kommen. Er gibt sich, verkleidet um nicht erkannt zu werden, als Filmvorführer aus, und möchte seinem Opa „Tartüff“ (basierend auf Molières gleichnamigen Stück) zeigen, eine Geschichte um einen Heuchler, der abschließend als solcher entlarvt wird. Der Enkel plant, seinen Großvater indirekt vor seiner Haushälterin zu warnen.

„Tartüff“ spielt die meiste Zeit nicht in der realen Welt, sondern in dem gezeigten Film. Daher ist es schwer, einen Protagonisten ausfindig zu machen. Problematisch wird das jedoch nicht, denn so kann man sich viel mehr auf Murnaus Intention hinter „Tartüff“ konzentrieren. Indem er die Warnung des Enkels an den Großvater Erfolg haben lässt, spricht Murnau das aus, was viele der heutigen Filmemacher und auch der Konsumenten vergessen haben; Filme sind Abbilder der Realität, die uns beeinflussen, ob bewusst oder unbewusst. Filme helfen uns, die Realität zu begreifen, sie sind mehr als pure Unterhaltungsmittel. Filme sind das Leben selbst, in seiner ganzen Schönheit. Filme können uns retten, wenn wir nicht mehr weiter wissen, sie können uns warnen, und das wohl wichtigste; sie können uns Botschaften übermitteln, so wie der Enkel einen Film benutzte, um durch dessen Botschaft eine Warnung an seinen Großvater zu übermitteln.

„Tartüff“ ist Murnaus Liebeserklärung an das Medium Film und an das Kino selbst, und zugleich eine Erinnerung daran, was einen guten Film ausmacht.

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