„Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht“


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Achtung! Folgende Kritik geht, um eine bestmögliche Auseinandersetzung mit dem Film zu gewährleisten, auf einige Stellen explizit ein. Es sei daher geraten, den Film zuerst gesehen zu haben.

J.J. Abrams ist gescheitert. Um es kurz zu machen: Sein Star Wars ist der schlechteste von allen. Er erreicht nicht das Niveau der Urtrilogie – oh Gott nein, das hat auch keiner von ihm verlangt. Doch auch im Vergleich zu den Prequels steht es schlecht um diesen Film. Keine kindliche Naivität und Unschuld wie in Episode I, keine charakterliche Vision wie in Episode II und auch keine ungestüme Kraft hinter all der Tragik wie in Episode III. So verschreibt sich auch Abrams schließlich dem bloßen Nerdkanon, blendet die Prequels aus und fokussiert sich nur auf die alten Filme.

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So beginnt das klägliche Jammerspiel also. Es ist Abrams anzurechnen, dass er seinen Fanservice auf kleine Randnotizen beschränkt. Trotz all dem Respekt den er den alten Filmen zollt, sehnt er sich für den Beginn der neuen Trilogie nach Emanzipation. Dennoch galt es ein Vermächtnis auf den Schultern zu stemmen. Und so war es von Anfang an klar, dass es für ihn kein Leichtes werden würde. Ihm selbst war und ist dies bewusst, versucht er doch ständig die Erwartungen zu drosseln. Doch es sind nicht überhöhte Erwartungen, die Episode VII scheitern lassen. Die Mischung Emanzipation plus Vermächtnis kreiert ein unausgegorenes Verhältnis des Verlangens nach Befriedigung der Zuschauergruppen.

Zum einen liegt dem Film viel daran eine neue Generation Star Wars ins Leben zu rufen, neue Antagonisten und neue Protagonisten, frische Gesichter in der von legenden geprägten Welt der Space Opera zu etablieren. Das für dieses Vorhaben gecastete Ensemble spielt zwar größtenteils gut, doch in ihrem Umgang begeht Abrams einen fatalen Fehler: In all der Interaktion der jugendhaften Charaktere untereinander wirken diese, anders als Mark Hamill damals im Original „Krieg der Sterne“, mehr wie die Abziehbilder typischer Young-Adult-Ware. Seine Bilder erheben sich nie über den Blockbuster-Konsens. Kein Bild wirkt neu, keine Einstellung unverbraucht. Alles, was uns Abrams vorsetzt, ist abgestanden. Hochglanz Optik, macht noch kein Hochglanz Kino. Geleckt-sauberer Dreck auf dem Millennium Falken, verleiht diesem nicht den Charakter der Blechbüchse, in die Luke zögerte einzusteigen. Sechs vorangegangene Star-Wars-Filme hatten mit all ihren Macken und Fehlern immer eines aufzuweisen: visionären Geist. Diesem mangelt es sogar noch an weit mehr.

Die guten Intentionen sind zwar durchaus vorhanden, doch ihre Umsetzung lässt dies ins Gegenteil verkehren. Han Solo töten? Ja, wieso nicht? Doch bitte diese Szene nicht wie eine banale Randnotiz abhandeln, die jedes Gespür für die Charaktere missen lässt. Weder der großen haarigen Liebe in Form eines Chewbacca wird danach Platz eingeräumt, noch der großen echten Liebe in Form von Leia. Auch sie werden billigst am Rande abgespeist. Das Fanherz blutet und man fühlt sich verhöhnt. Man kann und will nicht akzeptieren, dass es so zu Ende ging, mit dem Schmuggler, Raubein und Macho.

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So wird einem die Erste Ordnung, die neuen Schurken, einem totalitären Regime mit NS-Bezug in Bildern vorgestellt, die aufgrund ihrer peinlichen Plakativität keine Wirkung hinterlassen, sondern vielmehr zur Fremdscham anregen, ob des misslungenen Versuchs so etwas wie politische Relevanz herzustellen. Auch Lucas verpackte den Untergang der alten Republik nicht gerade Subtil. Doch er stand hinter diesen Bildern und gab ihnen eine Energie mit; sie vermittelten etwas.

Und was ist eigentlich mit der Macht? Die Macht, die alles umgibt, in uns ist? Sie ist da, in der Theorie. Es wird von ihr gesprochen, doch ihre Demonstrationen wirken nicht wie das fantastische Resultat von Urvertrauen und Glauben, sondern wie das Einsetzen von Kräften austauschbarer Superhelden. Der Macht wird ihre Magie entzogen. Oder: Wenn es ans Eingemachte geht und es heißt, man solle der Macht vertrauen, bricht man die Szene lieber mit dümmlicher Ironie. Neben der Young-Adult-Pest, hat hier also eine weitere Kino-Plage deutliche Spuren hinterlassen: MARVEL.

Aus, Ende, nein! Ich will an die Macht glauben dürfen, ich will die märchenhafte Stimmung von Aufbruch und Abenteuerlust. Ich will Tatendrang in mir entfacht spüren, ich will das Urvertrauen an etwas Höheres. Ich will keine Ironisierung der Essenzen eines Mythos. Ich will keine alten Freunde verlieren, ohne mich von ihnen verabschieden zu können. Ich will kein Kino ohne Geist, Glaube und Vision. Ich will ein Kino voller Kraft! Ein Kino der Sehnsüchte, der Schönheit – und keine austauschbare Stangenware. Ich will ein Kino mit Mehrwert, in dem ich aufgehen kann. Ich will ein Kino der Träume, in der räudiger Eskapismus mehr als nur räudiger Eskapismus ist. Ich will, dass die Macht mit mir ist. Mit uns allen ist.

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Marc sagt:

    Ich liebe dich, du schreibst was ich schon seit Ankündigung des Films befürchtet habe ❤

    1. der Autor liegt komplett daneben, schau dir nen paar andere Kritiken an. Sind fast alle überaus positiv. Ich habe den Film gestern gesehen und er sit sehr gut. Hat natürlich auch Schwächen, aber um längen besser als der Prequel Unsinn.

      1. Marc sagt:

        Ich weiß nicht, Tim hat für gewöhnlich einen sehr guten Filmgeschmack, seine Meinung ist meiner meist nicht unähnlich (abgesehen es geht um 80er-Actioner ;)), und seine angesprochenen Kritikpunkte habe ich schon im Vorraus erahnt und befürchtet. Ansehen werde ich ihn mir voraussichtlich nächsten Montag, dann habe ich ja meine eigene Meinung und kann noch etwas besser beurteilen, inwiefern Tim’s Meinung sich in meiner wiederspiegelt.

  2. Peter H. sagt:

    Saudumme Kritik. Dazu der Spoiler des Jahrhunderts. Danke dafür.

    Bitte schließ den Blog und geh wieder zur Schule.

    1. Tim sagt:

      Saudumme, entlarvende Antwort. Bitte nicht wieder kommen. Danke

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