„Liebe auf den ersten Schlag“


Als unheimlich originell und lustig auf dem Cover angepriesen, muss man jedoch feststellen, dass „Les Combattants“ eher Tragödie als Komödie ist. Ist er trotzdem sehenswert?

©Tiberius Film

Das zarte Annähern der beiden Jugendlichen, das eigentlich garnicht so zart ist, fängt Regisseur Cailley auf dramatisch-groteske Weise in simplen Bildern ein: Ausführlich schildert er Ängste und Zweifel der Heranwachsenden, deren Unwissen, was mit einem perspektivlos erscheinenden Leben anzufangen ist, die beiden scheinbar so ungleichen Lebensentwürfe zusammenführt. Er vereint die beiden Überlebenskünstler unter einem Banner des Verlangens nach einem Entkommen ihrer Welt. In dem von Cailley gezeichneten Kosmos ist es kein Sturm und Drang der die Jugend antreibt, sondern eher eine den äußeren Umständen geschuldete Trägheit. Dies bricht die Junge Madeleine, die mit ihrem Fantasieren vom apokalyptischen Ausnahmezustand Arnaud begeistert und verführt. Sie macht ihm seine Lage in der Welt und Gesellschaft bewusst und führt ihm seine Ziellosigkeit vor Augen, er wiederum zeigt ihr auf, dass am blanken Genuss und am Leben im Moment nichts Verkehrtes ist. Arnaud und Madeleine ergänzen sich in ihrer verschrobenen Art und so führt die Beziehung zwischen den beiden immer wieder zu aller Hand Absurditäten und seltsam-pointierten Momenten. Als beide ihr Aussteigerleben beginnen gehen sie in einer dreckig-wilden aber auch zart-intimen Sexszene in einander auf. Die Sicht der Dinge, die uns Cailley präsentiert, auf die Welt und wo wir uns hinbewegen ist zwar stets eine pessimistische. Doch er lässt auch keinen Zweifel daran, dass nichts wichtiger ist als einen Menschen zur Überwindung der Absurdität des Lebens zu haben.

Angekündigt als leichte Sommerkomödie, entpuppt sich Thomas Cailleys Film als Tragödie zweier Individuen, die sich selbst etwas vor Augen halten um ihren Leben einen Sinn zu geben. Sie glaubt  die Welt geht bald unter und er steckt im Familienbetrieb fest und hat keine eigene Zukunft. Auch die Eindeutschung von „Les Combattants“ in Liebe auf den ersten Schlag manipuliert die Erwartung und so rechnet man vorerst mit einer typisch französischen Sommerkomödie, obwohl der Titel nicht dem Film einen Sinn, sondern eine Schlüsselszene im Film beschreibt. Madelaine und Arnaud sind Gegenpole und auch die Inszenierung lässt ihnen bis kurz vor Ende keine Zeit für Intimität oder Gefühle. Dabei ist „Liebe auf den ersten Schlag“ ein äußerst ungewöhnliches Seherlebnis. Immer wieder kommen morbide Szenen und grotesker Witz, der jedoch nicht zum Lachen anregt, sondern der Tragik der Geschichte viel mehr Stärke verleiht. Getrieben von famosen Jungdarstellern, strengt der Film jedoch mit zunehmender Laufzeit immer mehr an. Um wirklich Gefallen an „Les Combattants“ zu finden, muss man sich voll und ganz auf den Film einlassen und seine üblichen Sehgewohnheiten ausblenden. Streckenweise ist er jedoch verdammt schön.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Ich meide ja mittlerweile vehement „französische Komödien“. Die Zeiten wo AMÉLIE durch märchenhafte Leichtigkeit begeisterte sind vorbei, heute empfinde ich das meist als rassistische Klischee-Schlachten. Die hier klingt sogar ganz gut, aber da steht einfach noch zu viel auf meiner Watchlist 😉

    1. Sean sagt:

      Irgendwann nutzt sich halt alles ab

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