„Die Frau in Gold“


Es ist immer wieder erstaunlich, wie Regisseure sich an Themen, die für sie viel zu komplex sind, die Zähne ausbeißen. Alleine dieses Jahr hatten wir einen David Ayer, der bemüht differenziert am Weltkriegsgeschehen scheiterte, einen Damien Chazelle, der in Whiplash, wohl undbeabsichtigt, faschistoide Ideologien propagierte, und einen F. Gary Gray, der aus seinem Straight Outta Compton so einfach einen politisch relevanten Film hätte machen können und dabei doch so kläglich versagte. In diese Reihe fügt sich Simon Curtis mit Die Frau in Gold nahtlos ein.

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©Eurovideo

Erzählt werden soll die Geschichte des berühmten Gemäldes von Gustav Klimt und wie es Ende der 90er zu seiner rechtmäßigen Eigentümerin, nachdem das Gemälde deren Familie in den 40ern von den Nationalsozialisten entrissen wurde. Der Holocaust und alles was damit verbunden ist, ist ein sehr sensibles Thema. So wirkt es beinahe komödiantisch, dass Curtis sich nicht dazu entschließt diese heikle Thematik mit dem nötigen Feingefühl anzugehen, sondern den großen Vorschlaghammer auszupacken und blind darauf einzuprügeln. Die plakative Reise in die Vergangenheit der beiden Protagonisten – die unerträglich kecke Helen Mirren und der unerträgliche menschliche Hundeblick Ryan Reynolds – ist dabei so unerträglich plump abgefilmt, dass man bisweilen nicht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll. Die im Wien der Jahre des Anschluss‘ spielenden Szenen sind unterster Standard. Es reicht nun einmal nicht überforderte Mimen in Kostümen durch historischen Fotografien nachmodellierten Settings stolpern zu lassen und diesem einen Filter überzulegen. Das ist billig, das ist schlecht und in Anbetracht der Darstellung des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte ein nicht zu tolerierender Eklat.

Das moderne Wien hingegen erscheint in herbstlicher Pracht und ein bärtiger Daniel Brühl in Strick verkörpert den guten Österreicher, der eigentlich keiner sein möchte. Zugegeben: Curtis stichelt manchmal erfolgreich gegen den Opfermythos Österreichs, der – wie ich, der ich seit über fünfzehn Jahren in diesem Land lebe, bestätigen kann – auch heute noch weit verbreitet ist und damals noch einmal stärker vorhanden gewesen sein muss. Doch dabei bleibt es dann eben auch. Curtis ist nicht daran interessiert, diesen Habitus des österreichischen Volkes zu ergründen, herauszufinden woher eben dies kommt und wie sich dies mit dem Gemälde Klimts, der Mona Lisa Österreichs, wie es im Film so schön heißt, in Verbindung bringen lässt.

Von Kunst, und das offenbart sich während einer Rede Mirrens, die auch den letzten Zuschauer auf ihre Seite ziehen soll – alles andere wäre schließlich unmoralisch –, versteht Simon Curtis ohnehin recht wenig. Mirren spielt nämlich all die in das Bild projizierten Emotionen, zu dem auch ein Stück weit die nationale Identität und das, was das Bild für die Österreicher so unheimlich wichtig und bedeutsam macht, gehört, gegen ihre persönliche Beziehung zu ihrer im Bild porträtierten Tante aus. Curtis stellt also das Bild als Erinnerungsstück an einen geliebten Menschen über den Wert des Bildes als Kunstwerk. Es ist natürlich vollkommen legitim, dass die Protagonistin sentimentalen Wert an das Abbild ihrer geliebten Tante kettet, doch beraubt dem Gemälde dies seine Eigenschaft als Kunst. Diesen Schmu sollen im Anschluss juristische Verfügungen, die in ihrer eigentlichen Komplexität sowieso nicht zur Geltung kommen und somit belanglos sind, stützen.

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©Eurovideo

Es braucht keinen großen Cineasten, um Curtis zu entlarven. Seine Arbeit ist der Angelegenheit und dem Kino nicht würdig. Dieser (Nicht-)Film ist eine einzige Katastrophe. Zu keiner Sekunde aufgehender Betroffenheitskitsch der allerschlimmsten Sorte. Simon Curtis sollte sich lieber um die englischsprachigen Pendants von GZSZ, Lindenstraße oder sonstigem Billo-TV-Kitsch kümmern. Denn im Kino hat so eine Widerlichkeit Nichts verloren.

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