„Irrational Man“


Der Zyklus wird fortgesetzt und Woody Allen setzt nach seinem vorletzten, Oscar-preisgekröntem „Blue Jasmine“ wieder einen lockereren Ton bei seinen jährlichen charakter- und lebensanalytischen Porträts an.

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©Warner Bros.

Dieses Mal zentriert er einen alkoholsüchtigen Philosophielehrer, der seinen Lebenssinn schon lange verloren hat. Während einer seiner Studentinnen großes Interesse an ihn entwickelt, entdeckt er ein skurriles, neues Lebensziel.

Wieder einmal philosophiert Drehbruchautor und Regisseur Woody Allen („Match Point“) über den Sinn des Lebens und dessen Wertschätzung und diskutiert über verschiedene Weltanschauungen und charakterliche Stärken und Schwächen. Bei „Irrational Man“ lässt er Joaquin Phoenix („Her“) seine brodelnden Interpretationen des Lebens preisgeben und lässt ihn in eine abstruse Handlungsentwicklung tappen. Das Allen’sche Storygerüst wird auch bei seinem neusten Film nicht vermisst. Doch wiederholen tut er sich nur teils. Tatsächlich schafft es Allen seinen jährlichen Filmen immer wieder neue Ansätze zu geben, ohne dabei gelangweilt daher zu kommen. Und sein Händchen für makaberen Humor hat er ebenfalls noch nicht verlernt. Entwickeln tut er sich zwar nicht mehr weiter, dafür bleibt er seinem luftigen Erzählstil und den denkwürdigen Endnoten stehst treu.

Abgesehen von der Ästhetik sind es besonders die grandiosen Schauspieler, die „Irrational Man“ sehenswert machen. Phoenix glänzt in seiner Rolle mit sesshaftem Bauch und verzerrter Mine. Er ist der ideale Mann für diesen abgehobenen Charakter, besonders nach seiner hochgelobten Leistung in Paul Thomas Anderson’s „Inherent Vice“. Neben ihm brillieren seine weiblichen Kolleginnen Emma Stone („Birdman“) als Phoenix’s Studentin und Independent-Queen Parker Posey („Scream 3“) als Lehrerin, die großes Interesse an den Philosophielehrer hegt. Beide überzeugen in ihren differenzierten und doch ähnlichen Rollen, wobei Posey ein Stück mehr Substanz ihrem Charakter gibt.

© Warner Bros.

„Irrational Man“ bettet sich narrativ zu den durchschnittlichen Allen-Filmen, aber zeichnet sich besonders durch den wunderbar eingesetzten, pechschwarzen Humor und der gut gelaunten Besetzung aus. Auf der Suche nach Richtig und Falsch, Wegweisungen und Verweisungen trifft Allen zwar einige gute Punkte, doch hinterlässt auf dem Weg ein paar Denklücken.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Ich bin (wie jedes Jahr, seit ich Allen für mich entdeckt habe) sehr gespannt. Kann mit seinem oftmals kritisierten Spätwerk eine Menge anfangen und auch dies klingt nach vergnüglich leichter Mischung von Schmunzeln und Melancholie 🙂

    1. Robin sagt:

      Wirklich gelungener Allen. Vom Aufbau her ein wenig wie eine softe Version von Match Point.

      1. jacker sagt:

        Passt. MATCH POINT halte ich für seinen besten des neuen Jahrtausends 🙂

      2. Robin sagt:

        Oh ja, ich auch! 🙂

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