„Testament of Youth“


In ihren Memoiren Testament of Youth beschrieb die einflussreiche Feministin, Pazifistin und Schriftstellerin Vera Brittain ihren Wandel zur Pazifistin während des ersten Weltkrieges. Eine von der BBC produzierte Verfilmung dieser Memoiren erreicht dieser Tage den deutschen Heimkinomarkt.

© Sony Pictures

Gespielt wird die Tochter aus wohl situiertem britischem Hause von der gebürtigen Schwedin Alicia Vikander. „Testament of Youth“ hätte ein beeindruckender Film werden können. Die Geschichte Vera Brittain bietet dafür genug Potential. Doch Regisseur James Kent fehlt es an der inszenatorischen Finesse seine epische Geschichte in Bilder einzubetten, die die nötige Kraft für eben diese aufbieten. Auf Dauer wirkt der Film nämlich wie ein ZDF-Samstagabend Zweiteiler, in das sich irgendwie mit Vikander und „Game of Thrones“-Lockenkopf Kit Harrington zwei angesagte Shootingstars verirrt haben. Diese sind bemüht ihren Text bedeutungsschwanger in bestem oldschool British aufzusagen und wirken dabei noch blasser, als sie die gefilterte Kälte-Optik des Films ohnehin schon macht. Große Gefühle, die angesichts der tragischen Liebesgeschichte durchaus hätten aufkommen können, werden durch eben diese Unfähigkeit der im Kern großen Geschichte große Bilder zuzuordnen und das narrative Geplänkel im Keim erstickt. Auch als emanzipatorisches Stück taugt „Testament of Youth“ recht wenig, ändert sich im Leben Veras nur dann etwas, wenn die entscheidenden Männerfiguren (Vater, Bruder, Liebhaber und guter Freund) etwas verzapfen, auf das sie schließlich reagiert. Da hält sie ihrem Vater gerade noch Paroli, sie wolle wohl nie heiraten, und kaum beendet sie ihren Satz so tritt Kit Harrington durch die Tür, der natürlich alles verändert. Das ist nicht nur ganz schön plump, sondern zeugt auch von Ideenlosigkeit seitens der kreativen Köpfe hinter dem Film.

Was dem Film tatsächlich gelingt, ist die Kriegsgeschichte zu erzählen. Mit Veras Dienst als Krankenschwester an der Front beginnt Kent die Geschichte noch einmal anzukurbeln, bis sie im letzten Drittel tatsächliche Qualität zu erreichen vermag. Da gibt es zum Beispiel eine alles verändernde Szene, in der Vera einem deutschen Soldaten während seiner letzten Minuten beisteht. Dieser hält sie in seinen Fantasien für seine eigene Geliebte. In brüchigem Deutsch schlüpft sie daraufhin tatsächlich in diese Rolle und gewährt ihm somit ein den Umständen entsprechendes Ableben in Frieden. All dem Schrecken des Kriegsgeschehens zu Trotz findet hier ein zärtlich-intimer Moment statt, der den Krieg, ohne ihn direkt zu zeigen, in all seiner Unsinnigkeit verdammt. Das ist gewiss nichts Neues. Doch in diesem letzten Drittel, das Vikander so viel besser als alles zuvor spielt, entwickelt der Film langsam die Kraft, die es schon von Anfang an gebraucht hätte. Die letzten aus dem Off gesprochenen Sätze verdeutlichen dann auch schön noch einmal die Pflicht, die die Nachwelt gegenüber der Geschichte, besonders der düsteren Kapitel dieser, hat. Sie wolle ihre geliebten Gefallenen zwar vergessen, doch könne und werde es nicht. Das ist ihr Versprechen an sie.
„Testament of Youth“ ist einer dieser Filme, die alles andere als schlecht sind, und die doch einen so bitteren Nachgeschmack angesichts dessen hinterlassen, was möglich gewesen wäre. Dieser Streifen ist purstes Mittelmaß. Und das ist schade, denn Aus diesem Stoff hätte man nicht nur mehr machen können, sondern es müssen.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Katrin sagt:

    Das klingt echt ein wenig traurig. ^^ Aber ehrlich gesagt hab ich schon ein Problem mit den glatt gebügelten Schauspielern. So wenig … kantig. Und wenn dann tatsächlich auch noch der Inhalt so vor sich hin plätschert. Bah! Das mit dem verschenkten Potential ärgert mich jedenfalls auch häufig.

    1. Tim sagt:

      Alicia Vikander ist ja eigentlich eine gute. Schon „Ex Machina“ gesehen?

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