„Scream 2“


Sein 1996er „Scream“ war nicht nur eine erfrischende Wiederbelebung des Slasher-Films, sondern auch eine neue Postmorderne Meta-Herangehensweise an ein Genre, das Wes Craven wie kein zweiter so maßgeblich geprägt hat. Bereits ein Jahr später erschien das Sequel „Scream 2“, das genau dort ansetzt, wo „Scream“ endete.

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©Studiocanal

Craven führt konsequent fort, was er in Teil 1 initiiert hatte. Im Filmkurs wird über Fortsetzungen debattiert – ob diese von vornherein zum Scheitern verurteilt sind oder tatsächlich dazu in der Lage sind, ihre Vorgänger zu übertreffen – und man sucht die Auflösung des Rätsels indem man einen genauen Blick auf die Konventionen von (Horror-)Fortsetzungen wirft. Dabei spart Craven nicht mit dem einen oder anderen Seitenhieb und zynischen Bemerkung. So viel Witz einerseits im Film steckt, verliert er sich nie in absoluter Selbstironie. Zu keinem Zeitpunkt gewinnt man als aufmerksamer Zuschauer den Eindruck, dieser Film wäre keine Herzensangelegenheit seines Regisseurs. Wieder widmet er sich neben dem Grusel und Schauer dem Innenleben seiner Charaktere. Eine immer noch traumatisierte Sidney Prescott (zurückhaltend stark: Neve Campbell), die niemandem vertrauen kann, ein heldenhafter Nebencharakter, der nie zum Protagonisten werden kann und sich dessen bewusst ist. Eine Journalistin, die lernen muss, dass sie nicht weiterhin jedem beliebig auf die Füße treten kann und ein hinkender Polizist mit Schnauzer und unendlich vielen Leben. Und zu guter letzt auch ein Ex-Häftling, der unbeholfen und verzweifelt versucht sein angeschmutztes Image wieder reinzuwaschen. Sie alle sind Figuren in einem Film, die eine gewisse Düsternis umgibt, aber stets genug Raum zu haben um keine bloßen Schablonen im Zitier- und Kommentierspiel zu sein. Seien es die ruhigen Es-funkt-und-knistert-Szenen zwischen David Arquette und Courtney Cox oder eine wild-leidenschaftliche Musical-Nummer in der Mensa.

Was „Scream 2“ aber seine ultimative Stärke verleiht ist die Art und Weise wie er ein wichtiges aber vor allem sehr leidiges Thema angeht: Gewaltdarstellung im Film. Wie weit darf man gehen und inwiefern beeinflusst Gewalt im Film Gewalt in der Realität. Wes Cravens Argumentation ist beachtlich. Er sagt ganz klar, dass der Mensch für sich selbst verantwortlich ist und es nicht möglich ist eben diese Verantwortung auf Medien abzuwälzen. Tatsächlich geht Craven dabei so weit und zieht die Debatte an sich in den Mittelpunkt (wieder Meta!). Alleine dadurch, dass man die hanebüchene Behauptung, Gewalt im Film würde zu tatsächlicher Gewalt führen, ausstellt, beraubt man den Menschen seiner Selbstverantwortung in dieser Hinsicht. Ihm wird gesagt, er könne nichts dafür, wenn er zum Gewalttäter werde, da es nur der Einfluss böser Medien war. Ihm wird gesagt, du bist ohnehin nicht zur Selbstreflexion in der Lage. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die Entmündigung des Menschen. Eine so klare Sprache findet wohl nur ein Regisseur dessen Werk viel zu oft missverstanden von verschiedensten Zensuranstalten weltweit verstümmelt wurde. Wunderbar.

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©Studiocanal

Und zu guter Letzt findet er auch noch einen Weg sich vor einem seiner engsten Freunde und Weggefährten zu verbeugen: Wenn sich die eine Killerin als Mutter des Ghostface des Vorgängers herausstellt und angibt ihr Motiv wäre die schöne, altmodische Rache, dann ist sie eine direkte Referenz und Hommage – unter anderem auch aufgrund ihres Aussehens – an Mrs.Voorhees, der berühmt-berüchtigten Schnetzl-Mutter aus Sean S. Cunninghams „Freitag der 13.“. Sie leitet den zweiten Killer wie es nur eine Mutter könne und natürlich ist es hier auch nicht sie, die wieder zurückkommt, sondern ihr „Sohn“. Während Craven sich in Teil 1 immer wieder – absolut berechtigt – selbst auf die Schultern klopft, verleiht er „Scream 2“ durch das Ende eine Widmung an die große Ur-Filmreihe des Teeni-Schlachtens, die in ihren Ursprüngen selbst schon eine Hommage war. Damit kreiert Craven eine filmische Universalität, die jedem Cineasten das Herz aufgehen lassen sollte.

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©Studiocanal

Nun bleibt nichts anderes mehr zu tun als eine Antwort auf die Frage zu suchen, ob es „Scream 2“ geschafft hat, seinen Vorgänger zu übertreffen. Eine Frage, an deren Antwort man sich stoßen und reiben kann, doch die hier mit keinem eindeutigen und klaren, sondern viel eher mit einem intuitiven und gemurmelten „ja“ beantwortet werden soll.

7.0/10.0
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. „Stab 2? Who would wanna do that? Sequels suck!“ ^^

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