„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“


Was hat „Nosferatu“ nicht alles überstanden; Anklagen wegen Urheberrechtsverletzung aufgrund der Parallelen zu Bram Stokers „Dracula“ sowie Anschuldigungen eine exakte Kopie von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ zu sein, aber hat Murnaus Frühwerk auch die Zeit gut überstanden?

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©Universum Film

Murnau führt, wie seine Filme es so an sich haben, harmonisch und locker an das Thema heran. Er zeigt den Protagonisten Thomas Hutter, seines Zeichens Assistent eines Maklers, und seine Frau, wie sie glücklich miteinander leben, und es scheint, als könne nichts die beiden jemals voneinander trennen. Als Hutter jedoch den Auftrag bekommt, den mysteriösen Grafen Orlok, der abgeschottet von der Außenwelt in den Bergen Transsilvaniens haust, aufzusuchen, um ihm ein Haus in Wisborg anzubieten, hat seine Frau aufgrund der diversen Geschichten über diesen Grafen dunkle Vorahnungen. Naiv und abenteuerlustig wie Hutter ist ignoriert er lachend die Warnung seiner Frau und begibt sich schnellstmöglich auf die Reise. Nun schlägt die Stimmung des Filmes langsam um, und auch die des Zuschauers tut es, der sich nämlich während des gesamten Filmes immer in der Haut von Hutter befindet, und dessen Stimmung und Empfinden sich 1:1 mit denen des Protagonisten abgleichen lässt. Wie Hutter ist er anfangs noch naiv und lebensfroh, aber mit der Zeit erkennt auch der Betrachter den zunehmenden Ernst der Lage. Mit der Ankunft auf Orloks Schloss wird jetzt auch noch das letzte bisschen Harmonie von Murnau weggepustet, ab hier beginnt das Grauen. Die märchengleiche Schönheit und Freude, sie ist wie weggefegt. Murnau legt nun eine kalte, düstere Atmosphäre an den Tag, die man schmerzlich in heutigen Gruselfilmen vermissen tut. Ab dieser Stelle überschlagen sich die Ereignisse. Hutter bekommt, je mehr er über den Grafen und das Schloss herausfindet, immer deutlicher seine eigene Angst zu spüren. Angst ist für Hutter etwas Neues, da sie in seinem unspektakulären Leben als Makler in Wisborg nicht auftrat, aufgrund mangelnder Notwendigkeit. Früher war dieser Effekt auf den Zuschauer, der sich ja in der Haut des Protagonisten befindet, wohl heftiger als heute, denn 1922 lehrte „Nosferatu“ vielen Menschen erstmals was es heißt im Kino panische Angst zu empfinden. Zu bemängeln an dieser sonst so hervorragenden Inszenierung kann man nur die sogar für 1922 teilweise recht schwachen Tricks, die genau dann auffallen, wenn es so scheinen soll als würde sich eine Tür wie von Geisterhand öffnen. Szenen wie diese sind erkennbar in mehreren Takes gedreht worden, bei jedem wurde die Tür ein kleines Stückchen weiter geöffnet, wobei man eine solche Tür auch eigentlich mit einem dünnen Faden öffnen und es so bei einem Take hätte belassen können.

Friedrich Wilhelm Murnau, der stilistisch in gewisser Weise das Gegenteil zu Fritz Lang darstellt, zaubert mit „Nosferatu“ nicht nur einen der besten deutschen Filme aller Zeiten herbei, sondern legte zugleich einen Grundstein für das Horrorgenre.

Nosferatu

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