„The House of the Devil“


Bei manchen Filmen dauert es, bis sie die Aufmerksamkeit erhalten die sie verdienen. Dies sind in der Regel kleinere Filme, die bei ihrem Erscheinen geschmäht wurden und unter dem Radar liefen. Ti Wests 2009er „The House of the Devil“ ist einer dieser Filme. Mit einem Budget von nicht einmal einer Millionen Dollar kreierte Ti West etwas, einen Horrorfilm alter Schule, das seinen Status als modernes Horrorgenie festigen sollte.

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©Alive

Dabei ist West die Ruhe selbst. Sein Film lässt sich Zeit für seine Narration und Entwicklung. Bevor West sich daran macht die Spannungsschrauben anzuziehen, schafft er dafür ein Fundament. Er führt uns an seine Hauptdarstellerin heran. Das ist deshalb notwendig, weil er weiß, wie man einfach guten Horror erzeugt. Angst kommt von innen. Es sind die Fantasien über das Ungewisse, die die Vorstellungskraft beflügeln und in Horrorversionen münden. Hauptdarstellerin der One-Woman-Show Joceline Donahue ist zwar keine Meisterdarstellerin, doch mithilfe der ästhetischen Arbeit Ti Wests bekommt man einen recht genauen Eindruck davon, welche Abgründe der Seele sich in ihr in den Vordergrund drängen. Im entscheidenden Moment, gewährt West uns einen Informationsvorsprung und vergrößert die Spannung dadurch noch einmal.

Dabei setzt Ti West vor allem auf Subtilität. Er arbeitet geschickt mit Kameraeinstellungen und Schnitt, für den er sich neben Regie und Drehbuch ebenfalls verantwortlich zeichnet, und braucht dabei nichts anderes als ein leerstehendes, großes Haus, eine fähige Darstellerin und hie und da ein paar gut platzierte Ungereimtheiten. „The House of the Devil“ stellt zudem eine Rückkehr zu einem sehr einfachen, ja, unschuldigen Horror da. Die Konzentration und Fokussierung auf die Psyche steht im Mittelpunkt. Kein falsches Genrebewusstsein und Keine Effektschlacht. Lediglich das unverhohlene Verlangen danach mit dem Zuschauer zu spielen und Ängste in ihm auszulösen. Umso brachialer das Ende, das in seiner Umsetzung den Stempel „Terrorkino“ wahrlich verdient, in dem sich alle Ängste und Vorstellungen als berechtigt offenbaren.

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Das Trimmen des Films auf ein 80er Jahre Setting sollte dabei nicht als eine bloße nostalgische, selbstverliebte Spielerei gewertet werden, sondern vielmehr als Ti Wests stilistische und inhaltliche Verortung seines eigenen Werks vor dem großen Erblühen der Postmoderne in den 90er Jahren gesehen werden. Es ist nichts Weiteres als der Wunsch, der sich in diesem ausdrückt, all die Entwicklungen in eine durchironisierte und totkommentierte Welt des Horrors hinter sich zu lassen, auszuklammern und eine Ernsthaftigkeit zu beschwören. Ich gratuliere, Mr. West. Es ist Ihnen gelungen.

6.0/10.0
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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Sag mal geht eigentlich bei deinen Posts mit den Bewertungen was schief? In eurer 31 DAYS Reihe stehen aktuell IMMER 6/10 da, auch wenn (wie hier) die Texte nach weit mehr klingen.. Oder kommt Horror bei dir einfach nicht über 6/10?

      1. Sean sagt:

        Freu dich lieber, dass da 6 steht 😉

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