„Profondo Rosso“


„Profondo Rosso“ zählt gewiss zu den großen Werken Dario Argentos, das vor allem unter Fans einen hohen Stellenwert einnimmt. Es war zwei Jahre vor „Suspiria“, zwei Jahre bevor sich Argento so ganz anderen Gefilden zugewandt hatte. Ein typischer Giallo mit einer klassischen Ermittlung und zelebrierten Mordsequenzen im Mittelpunkt.

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©XT-Video

Dabei verbeugt sich Argento vor allem vor einem anderen Künstler. Die Bar, die der Pianist und Freund des Protagonisten Carlo so gerne besucht und die sich in unmittelbarer Nähe zu dem Wohnhaus steht, in dem die Mordserie beginnt und endet, ist ganz offensichtlich der aus Edward Hoppers Gemälde Nighthawks nachempfunden. Generell dreht sich in „Profondo Rosso“ viel um Gemälde. Seien es Kinderzeichnungen oder vermeintlich für Bilder gehaltene Spiegel. Dabei wirken vor allem auch Argentos Einstellungen wie auf Leinwand gebannte Gemälde. Seine Visualisierung des banalen Whodunnit-Plots ist oft sehr einfach gehalten, ohne dabei etwas von der Kunstfertigkeit für die der Regisseur so bekannt ist einzubüßen. Egal ob seine Figuren eine Symmetrie brechen und der eine dabei von etwas Realistischem, der andere von etwas Magischem spricht, die Kulisse der zur Mordserie führenden Szene blutrot ist oder ob Argento verschiedenste Dinge in seinen typischen traumhaften Sequenzen über einen schwarzen Hintergrund legt.

Seine ermittelnden Hauptfiguren lässt er humoristische Streitgespräche austragen und nimmt das plumpe Maskulinistentum seines männlichen Protagonisten gekonnt auf die Schippe. Dabei geht es nicht selten um Selbstbild und das Bild, das andere von einem selbst haben. Was hier humoristisch angedeutet wird, ist nichts anderes als auch ein Thema des Films. In einem Gespräch meint Carlos zu Protagonist Marcus, dass es immer zwei Wahrheiten gäbe und es daran ginge, die richtige zu finden. Schließlich stellt sich heraus, dass ein vermeintliches Gemälde nichts weiter als ein Spiegel war. Der Blick in den Spiegel und somit der Blick auf sich selbst führt zur Lösung. Hier wird das Selbstbild mit dem entgegengehaltenen Bild seiner selbst vereint. Zwei Blickwinkel, zwei Wahrheiten verschmelzen.

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Als spannender Giallo, düstere Alptraumvision und Gemäldefilm ist „Profondo Rosso“ in weitem Maße tauglich. Argento ist nun mal ein Könner und seine Filme eine Wucht. Zwar ist auch hier zu bemängeln, was Argento sich immer vorwerfen lassen musste, nämlich dass Mängel auf gewissen Ebenen der Handlung und Logik bestünden, doch wen schert das schon großartig? Argento ist ein visueller Filmemacher, wie es kaum einen zweiten gab/gibt. Seine Filme sind getragen von seiner individualisierten Vision des Schreckens und genau das macht auch „Profondo Rosso“ zu dem Teil eines vergangenen Kinos, das sich dafür rühmen kann, in dieser Art und Weise absolut einmalig zu sein.

6.0/10.0
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