„Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“


Ein Jahr nach George A. Romeros legendärem Grindhouse-Hit „Zombie – Dawn of the Dead“ erschein ein quasi „Nachfolger“ unter dem Titel „Zombi 2“. Dies war allerdings keine US-amerikanische Produtkion, sondern eine aus Europa. Die Italiener, die seit jeher amerikanische Erfolgsrezepte kopierten (Gott sei Dank – was täten wir ohne den Italowestern?), haben sich schnell daran gemacht einen Film mit Zombie-Thematik zu produzieren und diesen als die Fortsetzung Romeros zu vermarkten – das tatsächliche Sequel „Zombie 2 – Day of the Dead“ erschien 1985. Beide haben eines gemeinsam: Fsk ungeprüft, indiziert und bundesweit beschlagnahmt. Doch das hielt die Filmgeeks letztes Jahr von Romeros Zombie-Ultrakunst nicht ab und wird uns auch dieses Jahr nicht von seinem italienischen Kollegen abhalten.

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©XT-Video

Lucio Fulci feiert mit genau diesem seinen ersten großen Erfolg. Seine Zombie-Weltuntergangsvision ist ein postmoderner Mash-up, der zum einen die Tradition der klassischen Zombiefilme der 40er Jahre aufgriff, bei denen Zombies die durch heidnische Rituale willenlos gemachten Sklaven von dubiosen Kulten waren, aber sich gleichzeitig auch die rohe Brutalität und Schonungslosigkeit eines Romeros zu eigen macht. Dabei ist es erstaunlich, dass die um einiges billigere Italo-Produktion die Amerikaner in Punkto Maske weitaus übertraf. Die Zombies in „Woodoo“ sind verwesende, zerfallende und vermodernde Monstren, die die Aura des Todes vor sich hertragen. Sei es der sich langsam aus seinem Grab erhebende Zombie auf dem alten spanischen Friedhof oder der Zombie im Korallenriff der sich den legendären Kampf mit dem Hai liefert. Anders als bei Romeros „Dawn of the Dead“ sind die Zombies hier nicht nur blass türkis angemalte Statisten, sondern wirken wie tatsächliche Ausgeburten der Hölle.

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©XT-Video

Und das ist die große Stärke des Films: Wird schließlich der Alibi-Handlungs-Schnickschnack überwunden und entfesselt die herbeigetrommelte und heraufbeschworene Woodoo-Hölle über die Protagonisten entfesselt, erreicht der Film seine Stärke. Zuvor gibt es schöne Einzelmomente – wie einen der wohl härtesten Zombie-Kills der Geschichte, ein wahres Meisterwerk der handgemachten Special-Effects (die Rede ist natürlich von dem Holzsplitter durch das Auge) – aber ansonsten vor allem viele zweckbefreite und inszenatorisch hingerotzte Dialog-Momente, die den Regisseur wohl selbst keineswegs interessiert haben. Seine ganze Kraft entfesseln tut „Woodoo“ erst im finalen Akt, wenn die Untoten, Produkte einer heidnischen, primitiven Kultur, die zivilisatorischen Errungenschaften auf der Insel, das Hospital und die Kirche, überrennen. Das sind die Bilder, die eines Romeros würdig sind, das ist sich echt anfühlender Weltuntergangshorror. So ist es auch kein Wunder, dass es fast schon so wirkt, als hätte sich Romero für seinen „Zombie 2“ wiederum von Fulci inspirieren lassen.

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Trotz all der Sympathie, die man für diesen oft einfältigen und trotzdem durchaus charmanten Exploitationer aufbringen kann, muss man sagen, dass Fulcis Werk von allerhöchster Banalität und Trivialität ist. Dies mag durchaus dem geringen Budget geschuldet sein, das herrliche Effekt- und Maskenschlachten für die der Film zu Recht „Kult“ geworden ist etwas limitierte. Große Momente sind rar gesät. Doch wenn sich Zombies aus dem Korallenriff lösen und Haie attackieren, wenn Augäpfel durchbohrt werden und wenn Zombies schlendernd-bedrohlich das in der Kirche entzündete (Höllen-)Feuer durchschreiten, da drehen sich die durchgeknallt-perversen Triebwerke Fulcis Splatter-Vison auf Hochtouren.

5.5/10.0
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