„28 Weeks Later“


Natürlich zog „28 Days Later“ eine Fortsetzung nach sich. Mehr Budget, mehr bekannte Gesichter. Dafür ohne Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Alex Garland. Regie führte stattdessen Juan Carlos Fresnadillo. Es lässt sich ohne Umschweife sagen, dass sich „28 Weeks Later“ in die lange Reihe von Fortsetzungen einfügt, die die Welt nicht gebraucht hätte.

28 WEEKS LATER, (aka TWENTY EIGHT WEEKS LATER), Robert Carlyle, 2007. TM & Copyright ©Fox Searchlight Pictures. All rights reserved./courtesy Everett Collection
28 WEEKS LATER, (aka TWENTY EIGHT WEEKS LATER), Robert Carlyle, 2007. TM & Copyright ©Fox Searchlight Pictures. All rights reserved./courtesy Everett Collection

All das, was den ersten Teil so gut macht, wird hier einfach aufgegeben. Dabei sah es am Anfang doch noch so rosig aus: Man befindet sich in einem Cottage auf dem Land, alles ist abgedunkelt und erst die Horden der Infizierten bringen Licht und Dynamik in die Bude. Doch dann geht der Film den einfachen Weg des typischen Blockbusters. Es sind uninspirierte Bilder aus der Konserve, die Entwicklung der Charaktere funktioniert nur durch Küchenpsychologie und vereinzelt gute Momente, werden durch einen gewaltigen Schwall an (Genre-)Konsens zu Nichte gemacht. So dauert es eine ganze Stunde (die Gesamtlaufzeit beträgt 100 Minuten), bis dem Film endlich eine Sinngebung wiederfährt. Das Projekt der Neubesiedelung Londons scheitert, der Zombie-Virus verbreitet sich rasend schnell, Zombies sind von Menschen in der Masse nicht mehr zu unterscheiden und das Militärkommando heizt alles nieder. Dabei gib es immer wieder schnelle Schnitte auf die Menschen am Boden. Der Utilitarismus der Regierungen und Militärs wird hier mit erhobenem Zeigefinger angekreidet. Kollateralschäden misslungener Experimente wird hier ein Gesicht gegeben; bevor die Nummern im Bericht erscheinen, sterben Menschen. Wieder einmal perfekt verkündet John Murphys Musik im Hintergrund den Untergang der Menschlichkeit. Das hält dann eine Viertelstunde.

Dann wird aus dem bis dato gewöhnlichen Endzeit-Blockbuster ein gewöhnlicher Endzeit-Action-Blockbuster. Anstatt die endlich geschaffenen Ansätze zu verfolgen, schaltet man lieber einen Gang zurück. Jetzt gibt es etwas kreatives Töten der Infizierten mit dem Heli, Jeremy Renner geht in einer Feuerbrunst zu Grunde und ein schleichen durch den Stadiumtunnel der vorhersehbaren Jump-Scares. Gähn, ist altbekannt.

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©20th Century Fox

Generisch, verhunzt, gescheitert. „28 Days Later“ war frisch, unverbraucht und radikal-konsequent, sein Nachfolger hingegen dümpelt lieber im Sumpf der Blockbuster umher. Man muss dem Film durchaus den ein oder anderen starken Moment zugestehen – insbesondere die angesprochene Stelle im Mittelstück – dennoch ist „28 Weeks Later“ letztlich doch nur ein weiterer Film seines Genres, der ohne jede Relevanz daherkommt und ohne seinen Vorgänger längst in Vergessenheit geraten wäre.

4.0/10.0 Punkte
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Sehe ich ähnlich – der ist unnötig, dämlich und öde..

    1. Tim sagt:

      Und wie…

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