“ A Girl Walks Home Alone At Night“


Ein schwarz-weißer Vampirfilm auf Farsi aus den USA ist gewiss eine Seltenheit und so stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es diesem Fakt geschuldet ist, dass „A Girl Walks Home Alone At Night“ so viel Aufmerksamkeit bekommt oder ob der Film tatsächlich durch Qualität überzeugen kann.

girl-walks-home-alone-at-night
©Capelight

Ana Lily Armipours Debüt-Spielfilm ist wunderbar entschleunigt. „A Girl Walks Home Alone At Night“ weist ein gelassenes Tempo auf. Die Ruhe des Films kollaboriert erstaunlich gut mit der Melancholie, die der Film über weite Strecken ausstrahlt. Er erzählt die Geschichte der zwei verlorenen und einsamen Seelen in der fiktiven iranischen Stadt wortkarg und verlässt sich lieber auf die oftmals hervorragend eingefangenen Bilder, die für die Charaktere sprechen. Dabei ist es der deutsch-iranische Hauptdarsteller Arash Marandi, der besonders gut die Introvertiertheit seiner Figur durch minimalistisches Spiel zum Ausdruck bringt. In den besten Szenen des Films, die in denen sich die zaghafte Romanze zwischen der Vampir-Dame und ihm zu entwickeln beginnt, und sich der Film voll und ganz auf die Harmonie der Darsteller verlässt und auf ihren Gesichtern ruht.

 

Das große Problem des Films ist allerdings, dass oft von dem Minimalismus der Darsteller abgewichen wird. Zu oft versucht Armipour durch bedeutungsschwangere Symbolik auf verschrobene und verworrene Art und Weise etwas auszudrücken, nur um eben diese Symbolik letzten Endes fruchtlos ins Leere laufen zu lassen. Sie orientiert sich offensichtlich an Vorbildern, Größen des Autorenkinos, aber auch diese Referenzen führen ins Nirgendwo. Der Befreiungsschlag gegen eine patriarchische Kultur wirkt dadurch nur halb so stark und wird der Kraft entzogen, die man durch ein „straighteres“ Filmemachen hätte erreichen können.

Am Ende des Tages ist „A Girl Walks Home Alone At Night“ nicht die große Indie-Arthousesensation, die zu erhoffen war. Viel eher ein aufgeblasener Versuch, etwas zu kreieren für das es schlicht mehr Finesse und Feingefühl der Regisseurin gebraucht hätte. Dennoch sollte man Ana Lily Armipour nicht aus den Augen verlieren, mit dem richtigen Maß an Übung könnte die junge Regisseurin weit mehr als nur interessant werden. Selbiges gilt für Hauptdarsteller Marandi.

A Girl

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s