„Der schmale Grat“


Wenn Schönheit auf Gewalt trifft, wie die vom Krieg besetzte Natur, und der Patriotismus des Menschen als Kontrast zur friedlichen Erde steht, ohne dabei die Individuen der Bauern auf dem Schachfeld des Kriegsschauplatzes außen vor zu lassen, dann tritt der erschütterndste Anti-Kriegsfilm seit „Apocalypse Now“ ins Rampenlicht und präsentiert die zum Sterben verurteilten Soldaten in „Der schmale Grat“, sowohl physisch als auch psychisch.

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©Warner

Terrence Malick („The Tree of Life“) veröffentlichte Ende des 20. Jahrhunderts sein von Stars überfülltes Epos über den sechsmonatigen Einsatz der US-Soldaten gegen japanische Besatzungstruppen auf der Pazifikinsel Guadalcanal während des zweiten Weltkrieges. Dabei ist eines der vielen Besonderheiten des Filmes, dass die Sichtweisen und inneren Monologe zwischen den amerikanischen Soldaten immer wieder gewechselt werden. Dank dieser Machart ist die Atmosphäre auf dem Schlachtfeld äußerst eindringlich, was ebenfalls an der grandiosen Soundkulisse liegt. Hans Zimmer („Gladiator“, „Interstellar“) kreierte, anders als üblich, seinen emotionsgeladenen Soundtrack zu dem Drehbuch von Terrence Malick, anstatt einen Score zu der Rohfassung des Filmes zu komponieren. Umso mehr Charakter besitzt der Score im Nachhinein. Schauspielerisch bietet der Film ebenfalls große Klasse: James Caviezel („Die Passion Christi“), Nick Nolte („Warrior“), Sean Penn („Mystic River“) und Woody Harrelson („Natural Born Killers“) sind erst die Spitze des Eisberges, wobei Elias Koteas („Collateral Damage“) neben Caviezel und Nolte die charakterstärkste und prägnanteste Performance darlegt.

Auch wenn es sich bei „Der schmale Grat“ um einen erbarmungslosen Kriegsfilm handelt, wird das Medium Film in diesem Falle so künstlerisch, beinahe magisch, zum erschöpfen gebracht, wie man es nur von den allergrößten Meisterwerken kennt. Bilder, die Bänder sprechen, und zielbewusste Schnitte, die unglaublich viel bewirken, zeigen nicht nur, wie kompetent Regisseur Malick seinen Posten ausführt, sondern viel mehr seine aussagekräftigen Naturbilder im Mix von gesprengter Erde und blutenden Körpern. Es sind Bilder, die zeigen, dass der Mensch die Natur wie kein anderes Wesen zuvor auf brachialer Weise verunstaltet. Nur kann diese sich nach solchen Zerstörungen wieder regenerieren, ganz anders als der Mensch und seine Psyche. Denn er ist der einzige selbstzerstörerische Tyrann auf dieser Welt. Oder anders gesagt: Der größte Feind des Menschen ist er selbst.

Eine monumentale Filmperle mit hypnotisierenden Bildern und philosophischen Monologen, die eine Zeit lang brauchen um verdaut zu werden. Das ist die magische Kunst des Terrence Malick.

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