„Der Mann, der Liberty Valance erschoss“


Die goldenen Zeiten des amerikanischen Westerns sind vorbei. Dennoch wagt John Ford („Der schwarze Falke“) einen letzten Versuch in dem heute quasi ausgestorbenen Genre. Und diesmal ist das Resultat besser denn je.

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©Paramount

Es ist unglaublich, wie John Ford hier das Genre „Western“ und dessen Mythen bis ins kleinste Detail hinterfragt und zerlegt, einfach, weil Ford selbst es war, der den amerikanischen Western ausschlaggebend prägte, der viele dieser Mythen heraufbeschwor und auf die Leinwand brachte.

In „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ analysiert John Ford den Mythos um eben jeden Mann, der den Ganoven Liberty Valance zur Strecke brachte. Wird ihm, dem Helden, der Status als dieser überhaupt gerecht? War sein Handeln wirklich so mutig, wie es die Legenden und Mythen berichteten? Kann es nicht vielleicht doch sein, dass er beim Aufeinandertreffen mit Liberty mehr wie ein Feigling als ein Killer aussah? Oder hatte er womöglich auch ein wenig Hilfe von dritter Seite?

Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr dieser Fragen werden geklärt. Und nach und nach entlarvt Ford den Wilden Westen als das, was er wirklich war; ein Bilderbuch voller Mythen, ein Kapitel voll von Geschichten, deren Erzählungen nur in winzigen Teilen die tatsächlichen Vorgänge der Ereignisse widerspiegeln. Ford stellt den Western als eine Ansammlung von falschen Helden und Legenden dar, doch zugleich zeigt er durch eine wunderbare Szene, in der James Stewart ein paar Journalisten die Wahrheit um den Fall Liberty Valance berichtet, dass genau diese falschen Legenden den Westen ausmachen! Dass der Westen gar nicht funktionieren würde, wenn man in ihm eine Ansammlung an wahren Geschichten über echte Helden betrachtet. Der Westen funktioniert einzig dann, wenn man Mythen überliefert, außer Acht gelassen ob diese nun der Wahrheit entsprechen oder nicht.

John Fords Liebeserklärung an den amerikanischen Westen ist das komplette Gegenteil seiner anderen Western, und genau dadurch entpuppt sich „Der Mann der Liberty Valance erschoss“ als sein womöglich bestes Werk überhaupt.

Der Mann der Liberty Valance erschoss

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16 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bogartus sagt:

    Hat dies auf Bogartus Welt rebloggt und kommentierte:
    Wieder darf ich hier einen tollen Bericht über einen meiner Lieblingswestern „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ rebloggen. Ein unglaubliche guter Film von John Ford, der so viele wirklich sehr gute Filme gedreht hat und mit einem grandiosen Lee Marvin als Liberty Valance, der ebenfalls zu meinen Lieblingen gehört. 🙂

    1. Marc sagt:

      In den nächsten Wochen wird auch nochmal was zum schwarzen Falken hochgehen. Danach ist aber erstmal etwas ruh‘ im Western-Genre 😉

      1. Bogartus sagt:

        Einige Western zum rebloggen sind ja noch da und dann könnte man sich ja mal meine Liste der Top-Western ansehen und vielleicht ist da ja noch der eine oder andere Film dabei, den du gerne mal (wieder) ansiehst und …………………. 😉

      2. Marc sagt:

        Mach ich bald mal, wenn mir die Ideen ausgehen sollten 😀

  2. Timo K. sagt:

    Auch einer meiner Lieblingswestern! Dir gelang es, die Essenz des Films prägnant herauszuarbeiten. Ich lese deine Texte nicht oft, aber dieser hat mir gefallen. (Und glaub‘ nicht alles, was Tim meint zu sagen über andere. Damit wären wir wieder beim Thema der obigen Absätze.) 😉

    1. Marc sagt:

      Danke, hehe 😉

  3. jacker sagt:

    Inglourious Filmgeeks wird zum Western-only Portal 😉
    Aber nicht schlimm, da weiß ich wenigstens, wo ich Empfehlungen kriege!

    1. Marc sagt:

      Irgendwer muss ja den Arne auf den Geschmack dieses tollen Genres bringen 😀

      1. jacker sagt:

        Wenn du es schaffst, gehen wir im Saloon einen Whisky trinken 😉 Es gibt übrigens einen Westenr den ich liebe: TEXAS – DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM 😀

      2. Marc sagt:

        Noch nie von gehört 😀 gerade mal gegoogelt, scheint ja mal ein anderer deutscher Film zu sein 🙂

      3. jacker sagt:

        Helge Schneider ist halt echt ein eigensinniger Kauz. „Sinnlos“ bekommt bei ihm eine neue Bedeutung!

      4. Marc sagt:

        Ach der is mit dem? Sauber 😀

      5. jacker sagt:

        Mit und VON ihm! Dadaismus in Reinstform. DAS ist Genre-Dekonstruktion. Oder so. zumindest ist es Totalverweigerung gegenüber ALLEN filmischen Konventionen!

      6. Marc sagt:

        Geil, den merk ich mir mal vor 🙂

    2. Sean sagt:

      Zumindest hält der Marc unsere Westernabteilung frisch 🙂

      1. Marc sagt:

        Irgendwer muss es ja tun 😉

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