„Slow West“


Der 16-jährige Jay sucht Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika nach seiner großen Liebe Rose. Dass auf Rose und ihren Vater ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist, ahnt Jay nicht. Als ihm der wortkarge Silas seine Dienste anbietet, setzt Jay arglos seine Reise mit ihm fort…

©Prokino

Trotz der geradezu leichtfüßigen Art mit vielversprechender Story um einen Jugendlichen Protagonisten, dessen Fähigkeit zur Liebe absolut ernst genommen wird, entpuppt sich „Slow West“ relativ schnell als ein furchtloser Versuch dem Spätwestern eine neue Facette abzugewinnen. An diesem Vorhaben scheitert Regisseur Maclean vor allem deshalb, weil er sich auf die Dekonstruktion eines nicht mehr existenten Westernmythos all zu sehr versteift, anstatt sich seiner tatsächlichen Stärken zu besinnen, nämlich der Einflechtung skurrilen Humors in das Szenario, dass von Slapstick (auf die Fresse fliegende Indianer) bis zu intelligenten Dialogwitz (Darwinreferenzen) alles umfasst – zwar gibt es auch hier kleinere Problematiken, genau dann, wenn man merkt, dass sich Maclean für seine eigene „Genialität“ zu sehr selbst feiert, aber über diese kann man getrost hinwegsehen. Denn wenn man heute noch einen Spätwestern drehen will, dann muss man sich mehr anstrengen und Neues kreieren, oder zumindest dem Altbekannten genug eigene Aspekte verleihen. Man darf schließlich nie vergessen, dass die Entmystifizierung des Westerns mit „High Noon“ (Meisterwerk) begann, von Leone, Peckinpah und Eastwood fortgesetzt wurde und spätestens von den Coens vollendet wurde (der letzte Cowboy liegt im Grab).

Neben dem Humor ist nicht zuletzt jedoch auch Michael Fassbender positiv zu erwähnen, dessen coole Kopfgeldjägersocke von ihm passend cool gespielt wird. Sein Partner Kodi Smit-McPhee hingegen wirkt eher fehl am Platz. Selten ist ihm das Brennen für seine – schauspielerisch ebenfalls blasse – Herzensdame Caren Pistorius ernsthaft abzunehmen. „Slow West“ ist ein Film, der seine Möglichkeiten aufgrund falscher Prioritätensetzung verspielt, nicht schlecht und auch nicht besonders gut ist. Ein Film eben, der sich in die lange Reihe des durchschnittlichen „Wollen, aber nicht können“-Kinos einreiht. Schade.

Slow West

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. jacker sagt:

    Klingt ja durchwachsen…
    Werde die Tage die tage mal testen, was der mir als Western-n00b so geben kann. Bei Fassbender werde ich immer etwas blind 😉

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