„Mommy“


Die resolute Diane liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla, die der Mutter-Sohn-Beziehung eine ganz neue Dynamik verleiht.

Mommy-Antoine-Pilot
©Weltkino

Mit nur 26 Jahren dreht Regisseur Xavier Dolan Filme wie kein anderer. Unvergleichbar ist seine Stilistik und Inszenierung, was er mit Mommy direkt wieder beweist. Gedreht im quadratischen 1:1 Bildformat lässt er nur die Sicht auf das, was tatsächlich im Mittelpunkt passiert, denn würde der Zuschauer einen Überblick bekommen könnte der Film seine Intensität nicht entfalten. So ist „Mommy“ zwar im Kern eine routinierte Geschichte über eine dysfunktionale Familie, der Fokus und die Liebe zu jedem einzelnen Charakter sprengt jedoch die Dimension des herkömmlichen Dramas und erweckt Gefühle und Emotionen. Xavier Dolan lässt die Grenzen zwischen Freude und Ungemütlichkeit verschwimmen und erwischt den Zuschauer eiskalt. Besonders jedoch muss man sich auf Mommy vorbereiten, denn die Inszenierung trennt Brutalität und Wuteruptionen nicht von Zärtlichkeit und mütterlicher Liebe, weshalb so intensiv ist und regelrecht erschüttert und zu Tränen rührt.

Doch ohne seine drei grandios agierenden Schauspieler wäre dieser Film nicht das was er ist. Anne Dorval, Suzanne Clement und Antoine Pilon leben ihrer Rollen, spielen auf kaum vergleichbaren Niveau und tragen den gesamten Film von Beginn bis zum Ende auf ihrern Schultern. Auch die Cinematographie ist atemberaubend schön und insbesondere in Verbindung mit der Musik ein zusätzliches audiovisuelles Erlebnis! Selten waren Emotionen im modernen Kino so spürbar, selten fühlte man sich transportiert ins Geschehen, hat geschwitzt, hat gebangt und ist in Euphorie ausgebrochen, wenn die Charaktere wie der Zuschauer selbst in purer Glückseligkeit waren. Mommy ist ein Ausnahmefilm, bei dem man eigentlich nichts bemängeln kann.

Sean meint: Selten viel es mir so schwer, das Gesehene aus objektiver Sicht zu schreiben, aber das halte ich bei „Mommy“ für falsch. Dieser Film entfaltet sich nur wenn man ihn subjektiv betrachtet. Mommy hat mich direkt in seinen ersten Sekunden gepackt und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Die Kombination aus Intensität, Ruhe und verbaler Gewalt erschüttert bis ins Mark und trotzdem verbergen sich so viele schöne Szenen in Xavier Dolans Meisterwerk, die zu Tränen rühren und sprachlos machen vor Schönheit. Selten waren Schicksale spürbarer als hier und selten empfand ich das Bedürfnis nach einem Film einfach erneut auf „Film abspielen“ zu drücken. Mommy ist ein ganz großer Film, einer den man gesehen haben muss um es zu realisieren! Und wenn sich das Bild weitet während „Wonderwall“ von Oasis läuft, lässt auch den härtesten Cineasten ganz weich werden. Grandios.

Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
Darsteller: Anne Dorval,Suzanne Clement, Antoine Pilon
Lauflänge: 143 Minuten
Altersfreigabe: 12
Bewertung: 8/10


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