„Maggie“


Bevor dieses Jahr mit „Terminator 5: Genisys“ das von Fans langersehnte Arnie-Vehikel in die Kinos kommt, zeigt sich der Governator zuerst jedoch noch von einer ganz anderen Seite. Im von ihm co-produzierten Independent-Zombie-Drama „Maggie“ spielt er den Vater einer mit einem Zombie-Virus infizierten Tochter. Und auch wenn die Begriffe „Zombie“ und „Arnold Schwarzenegger“ wohl schon so manchen auf einen abgedrehten Mix aus Romero und achtzigeresker Action hoffen lassen, so ist der Film letzten Endes nichts anderes als ein Drama, in dem Arnie nichts anderes tut als schauspielern. Kein Splatter, keine Action.

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©splendid/WVG

Die Bilder die Regisseur Henry Hobson in den ersten Minuten heraufbeschwört, sind die eines typischen Endzeitfilms. Wir sehen verlassene Highways, brennende Felder und zerstörte Städte. Erst im Laufe des Films entwickelt er eine angenehm melodramatische Intimität. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter steht im Mittelpunkt. Das Schicksal der Tochter ist besiegelt und so verschreibt sich der Film gänzlich dem Inneren der Charaktere die durch die gegebenen Umstände einem unausweichlichen Ende entgegen blicken. Lange Zeit bleibt der Film undurchsichtig und deutet die Isolation der Handelnden an. Terrence Malick als stilistisches Vorbild ist dabei überdeutlich.
Hobson versteht es dabei seine Charaktere in Szene zu setzen. Er ist sich der stärken seiner Darsteller bewusst und stellt einer fabelhaft, mit viel Emotionen spielender Abigail Breslin, einen sich zurückhaltenden Arnold gegenüber. Schwarzenegger ist auch hier kein Darsteller der großen Mimik und der großen Gestik. Auch hier geht sein Schauspiel von seinem Körper aus. Doch diesmal sind es nicht die eingeölten, angespannten Muckis, die ihn definieren, sondern ein kaputter Körper. Seine Statur wirkt immer noch kräftig, aber in der dunklen Welt von „Maggie“ lässt sich diese schlummernde Kraft nur noch erahnen. Er ist ein Fels in der Brandung. Und tatsächlich schafft er es, ein Tränchen zu verdrücken.
Gegen Ende wird dann auch die Intention des Films immer stärker deutlich. Tatsächlich ist „Maggie“, der besonders in der Hälfte sich auf das narrative all zu sehr verlässt, aber auch ein Plädoyer für die Selbstbestimmung des Patienten. Als sie vor den wunderschönen weißen Blumen steht, die ihr Vater für sie gepflanzt hat, erkennt sie dessen Stärke und richtet die bitte an ihn es aufhören zu lassen. Doch als Arnie im Wohnzimmer im Sessel sitzend seine Flinte über dem Schoß gelegt darauf wartet, dass die Transformation seiner Tochter endgültig ihr Ende erreicht hat, schläft er ein. Sie kommt zu ihm und erkennt, dass sie es ihm nicht antun kann und küsst ihn noch einmal auf die Stirn. Dann klettert sie auf das Dach des Hauses um den Freitod zu wählen.
Während des Films spielt sich auch in den Augen der Kranken Interessantes ab. Mit fortschreitender Krankheit verblassen ihre Augen. Zwar können gewisse Augentropfen die Farbe für eine kurze Zeit wieder zurückholen, doch sie verblassen wieder. Erst im Fall während des Selbtsmordes kommt diese Farbe wieder auf natürlichem Wege zurück.
Es ist ungewohnt, den ikonischen Akzent der Action-Legende nicht auf die übliche Art und Weise, soll heißen in hinaus gebrüllten One-Linern, zu hören, sondern auf liebende, fürsorgliche und väterliche. Doch „Maggie“ ist gewiss gelungen. Für ein Budget von nur viereinhalb Millionen Dollar ist hier beträchtliches Gelungen. Auch wenn die erste Hälfte doch recht wenig hergibt und ins Leere läuft, so steht die zweite umso mehr dafür, dass die Experimente „Arnold Schwarzenegger als ernst zu nehmender Schauspieler“ und „Zombie-Melodram“ absolut geglückt sind.

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Regisseur: Henry Hobson
 Drehbuch: John Scott 3
 Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin u.a.
 Laufzeit: 95 min.
 Altersfreigabe: noch nicht bekannt
 Wertung: 6.0/10.0
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