„Das Boot – Director’s Cut“


Nur sehr wenige deutsche Kinoproduktionen genießen sowohl national als auch international einen derartig hohen Stellenwert wie Wolfgang Petersens 1981er Kriegsepos „Das Boot“. Bis heute existiert der Film in verschiedensten Versionen. Neben der 149 minütigen Kinoversion, existiert eine knapp 5 stündige Mini-TV-Serie sowie ein Director’s Cut mit einer Laufzeit von in etwa dreieinhalb Stunden auf den sich diese Kritik beziehen wird.

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©EuroVideo

Petersen erzählt die Geschichte des U-Bootes U96 und deren Besatzung um den jungen Kriegsberichterstatter Leutnant Werner und den Kapitänsleutnant genannt „Kaleun“. Diese basiert auf den 8 Jahre zuvor erschienenen gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim, der in diesem seine Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitete. In erster Linie setzt Petersen dabei auf Intensität und Authentizität. Sein inszenatorisches Genie lässt den Zuschauer dabei sein. Hierbei sind zu jeder Zeit die klaustrophobische Atmosphäre in dem stählernen Unterwassersarg, die Schweißtropfen und der Gestank an Bord spürbar. Doch neben all dieser Nähe zum Geschehen bleibt die Distanz zu einem der Charaktere die ganze Zeit über erhalten. „Kaleun“ – von Jürgen Prochnow fabelhaft gespielt – bleibt immer undurchsichtig. Nur sehr selten kommen bei ihm die Emotionen durch, er wirkt bisweilen maschinell. Wenn sie mit dem U-Boot gezwungener Maßen immer weiter hinab tauchen und alle angespannt hoffen, dass der Stahlkörper dem Druck von außen standhält, wir in ihre Gesichter blicken und ihre Angst sehen, bleibt vor allem sein Gesicht immer noch sehr undurchsichtig. Selbst als sterbend im Hafen, gleichsam seinem sinkenden U-Boot, zu Grunde geht, zeichnet sich in seiner Mimik nichts Eindeutiges ab. Der Krieg hat ihn und sein Boot eins werden lassen. Wie heißt es doch? Der Kapitän geht immer mit seinem Schiff unter.

Mit viel Geschick, Fingerspitzengefühl und Timing lädt Petersen zur Tauchfahrt ein. Seinen Platz und Stellenwert in der (deutschen) Filmgeschichte – ja tatsächlich einer der wenigen deutschen Produktionen von Blockbusterausmaß – hat sich dieses Epos redlich verdient. Sicherlich nicht der beste deutsche Film der je gedreht wurde, jedoch kann sich „das Boot“ im internationalen Vergleich mit anderen (U-Boot)Kriegsfilmen durchaus sehen lassen, steckt es doch viele bekanntere und angesehenere Hollywood-Produktionen locker in die Tasche.

Das_Boot_articleRegie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Wolfgang Petersen
Darsteller: Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge
Laufzeit: 218 Minuten (Director's Cut)
Wertung: 7.5/10.0
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