A Most Violent Year


Mit „All is Lost“ konnte J.C. Chandor bereits letztes Jahr die Kritiker überzeugen. Das Hochsee-Drama mit Robert Redford als stummen, einsamen Seefahrer rückte das menschliche (Über-)Leben in lebensfeindlichen Umgebungen in den Mittelpunkt. Doch auch visuell wusste der Film zu beeindrucken und die Kamera wurde zum kunstvollen Höhepunkt des Films, stets darauf bedacht den Kontrast zwischen der eingeengten Situation Redfords und den Weiten der See zu verdeutlichen.

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©Universum Film

In „A Most Violent Year“ schlägt Chandor nun ganz neues Terrain ein und ist weder narrativ, emotional oder visuell vom hohen Niveau von „All is Lost“ abgeweicht. Erzählt wird die Geschichte eines lateinamerikanischen Einwanderers der zu einem erfolgreichen Geschäftsmann ist und der immer höher hinaus will. Dieser Geschäftsmann, Abel Morales (Brillant: Oscar Isaac), ist ein Mann mit Prinzipien, der sich an festen moralischen Wertvorstellungen orientiert. Und eben diese werden in Frage gestellt als seine Konkurrenz beginnt seine Lastwagen zu kapern. Morales hält erbittert an seinen Prinzipien fest und lässt sich diese nicht ausreden, doch vergisst darüber hinaus den normalen Arbeiter. Denn im Hintergrund tritt eine Schlüsselfigur auf: ein ebenfalls lateinamerikanischer Arbeiter der Lastwagenfahrer für Morales‘ Konzern ist. Wenn dieser am Ende keinen anderen Ausweg sieht, als sich selbst zu erschießen und die Kugel, die aus seinem Hinterkopf austritt ein Leck in den Öltank schlägt und das schwarze Gold fließt, ist das eine ganz besondere Bildsprache, die man in ihrer schonungslosen Ehrlichkeit selten sieht.

Zudem erweist sich J.C. Chandor auch als ein Meister des Atmosphärischen. Mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielend streut er immer wieder Referenzen zu den großen Gangsterfilmen ein. Besonders aufdringlich ist hierbei der Vergleich zu Al Pacino in „Der Pate“. Zum einem wird diese Parallele durch das Spiel und die Optik Oscar Isaacs hergestellt, zum anderen aber auch durch dessen Werdegang. Auch Michael Corleone, der ja eigentlich einen legalen Weg einschlagen wollte, muss sich letztlich den äußeren Einflüssen beugen und zum neuen Don der Familie werden.

„A Most Violent Year“ unterstreicht, was nach „All is Lost“ klar war: J.C. Chandor ist ein Meister seines Fachs. Jeder Cineast sollte seinen weiteren Werdegang mit größter Aufmerksamkeit verfolgen, hat er doch mit „A Most Vioelnt Year“ einen bockstarken Film über das Individuum, Prinzipien und äußere Einflüsse auf diese geschaffen. Selbstverständlich wird der „Filmkonsument“ diesen Film langweilig, öde und fad, schlicht schlecht finden, doch das ist in diesem Fall absolut nichts Negatives.

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Regie: J.C. Chandor
Drehbuch: J.C. Chandor
Darsteller: Oscaar Isaac, Jessica Chastain, Albert Brooks u.a.
Laufzeit: 124 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Wertung: 6.5/10.0
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