„Stonehearst Asylum“


Die Vergangenheit lehrte, dass es in Deutschland mittlerweile fast lohnender ist, sich mehr auf den DTV-Markt zu konzentrieren, als auf die Kino-Veröffentlichungen, da künstlerisch anspruchsvolle Projekte im Bombast der Massenware keinen Platz mehr haben. Diese erscheinen bei uns in der Regel direkt auf DVD, so auch „Stonehearst Asylum“, dessen Cast um Kate Beckinsale, Ben Kingsley und Michael Caine sich so ließt, als wäre er perfekt für die große Leinwand geschaffen.

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©Universal

Der junge Psychiater Edward Newgate (Jim Sturgess) reist in das abgelegene Stonehearst Asylum, um dort seine Ausbildung abzuschließen. Im England der Jahrhundertwende ist er jedoch andere Methoden gewöhnt, als die des Anstaltsleiters (Ben Kingsley), dessen Methoden nahezu modern anmutend sind. Besonders auffällig ist auch die schöne Patientin Eliza Graves (Kate Beckinsale), die Edward nicht nur in ihren Bann zieht, sondern auch darauf Aufmerksam macht, dass mit dem Asylum etwas nicht stimmt.
Basierend auf einer Kurzgeschichte Edgar Allan Poes entwirft Regisseur Brad Anderson den Psycho-Thriller-Plot, der zu Beginn stark an „Shutter Island“ erinnert nach und nach immer geschickter rund um Fragen der Moral und Ethik in der Behandlung von Patienten. Hierbei nutzt er den Zeitpunkt der Jahrhundertwende geschickt um altes und neues aufeinander prallen zu lassen. Hierbei jedoch enthält er sich vorerst klaren Stellungsnahmen und sagt zu nicht, was richtig oder falsch ist. Besonders bemerkbar macht sich dieser Umstand wenn sich die beiden hochbrillanten Meisterschauspieler Michael Caine und Ben Kingsley als Vertreter der Tradition und Moderne sich verbal duellieren. Erst später kristallisiert sich eindeutig heraus: Das was dem Menschen nie genommen werden darf, dass ist seine Würde. Wenn er die Würde behält, kann er alles überwinden.
Die hervorragenden darstellerischen Leistungen – ebenfalls erwähnenswert: David Thewlis – können jedoch nicht den störenden Umstand ausblenden, dass die Sprache des Films zu stark darauf getrimmt wurde, sich möglichst schön alt anzuhören. Auch wenn man sich im zweiten Akt zunehmend daran gewöhnt, spüren tut man es immer, dass hier etwas nicht passen will, mit der Sprache der Charaktere. Desweiteren verlässt Anderson gegen Ende immer mehr die Gefilde moralphilosophischer Fragstellungen sondern triftet zu sehr in einen rein narrativen Stil ab, was schade ist. Die Spannung wird so stärker, doch die Kunst geht zunehmend verloren.
„Stonehearst Asylum“ ist definitiv einen Blick wert. Einer der besten Filme, die man in den ersten beiden Monaten dieses Jahres in Deutschland zu sehen bekommen konnte. Der Psychothriller mit dramatischen Einschlägen und Gruselmomenten wartet mit sehr viel Tiefgang auf, der den Zuschauer aus der Reserve lockt. Auch die Darsteller wissen zu Überzeugen und die Spannung steigt stellenweiße ins Unermessliche. Ein toller Film.

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Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi
Darsteller: Jim Sturgess, Kate Beckinsale, Ben Kingsley u.a.
Laufzeit: 108 Minuten
Altersfreigabe: FSK16
Wertung: 6.5/10.0 Punkten
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