„Hängt Ihn Höher“


1968. Der Italowestern boomt. Nicht nur in Europa. Die Western, die in krassen Kontrast zum Groß der Ur-Amerikanischen Heimatfilme der 50er und frühen 60er stehen erfreuen sich auch beim amerikanischen Publikum großer Beliebtheit.

© 20th Century Fox

Schließlich war es kein Wunder, dass sich auch Hollywood dem Trend anpasste und die ersten Western nach italienischem Vorbild produzierten. Sam Peckinpah („The Wild Bunch“), zum Beispiel, tat sich hier als Ikone hervor. Als Clint Eastwood schließlich mit „The Good, the Bad and the Ugly“ seine Europa-Ausflüge abschloss, wussten die amerikanischen Produzenten seine Popularität und Genre-Erfahrenheit einzusetzen und verpflichteten ihn sofort für einen der ersten amerikanischen Italowestern. „Hang’em High“ orientiert sich hierbei so stark am Spaghetti-Western, dass man sogar Sergio Leone den Regiestuhl anbot. Dieser lehnte jedoch zu Gunsten von „Spiel mir das Lied vom Tod“ ab. Regie übernahm schließlich der weitaus unerfahrenere Ted Post.

Die Unerfahrenheit merkt man. Die Inszenierung ist teilweise ziemlich unsicher und ungestüm. Er tut sich scher einen Spannungsbogen zu etablieren. Kräftige und intensive Szenen stehen im steten Wechselspiel mit an Inspiration mangelnden. Post schafft es aber durchgehend eine Spur an Kritik am Mythos des gerechten Gesetzeshüter im Western und der Cowboy-Mentalität an sich mit unter zu bringen. Zudem schafft es ein wie immer überaus charismatischer und gut aufgelegter Clint Eastwood in der Hauptrolle auch über die wankelmütigsten und fragwürdigsten Momente des Films hinweg zu helfen. Seine Dauerpräsenz ist es, was noch keinem Film je schadete und so auch diesem hier nur gut tut.

Problematisch erweist sich außerdem das Drehbuch, welches mit arg gekünstelten Dialogen aufwartet, die gerne den Charme derer der italienischen Musterfilme inne hätten, und einem zu mauen Ende, welches die Aussagekraft ein wenig aushebelt. Doch insgesamt muss man dem Film seine guten Ansätze hoch anrechnen. Einen magischen Moment gibt es zudem auch. Wenn die Klappe unter den Füßen der am Galgen stehenden aufgeht und diese fallen bis sich der Strick um ihren Hals versteift und ihnen das Genick bricht, ist Gänsehaut garantiert.

Wäre Clint Eastwood nicht der Hauptdarsteller dieses Italowestern, wäre der Bekanntheitsgrad heute wohl nicht so hoch wie er ist. Für Freunde des good old Clint und des Western per se ist dieser Film natürlich unumgänglich. Ansonsten ein durchaus gelungener, wenn auch teilweise zäher Versuch auf der Erfolgswelle aus Europa mitzuschwimmen.

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