„Interstellar“


Die Welt stirbt, Rettung scheint unmöglich. Mit einer letzten verzweifelten, Jahre währenden Weltraummission soll das unvermeidbar scheinende Ende doch noch abgewendet werden. An Bord befinden sich nicht nur die besten Wissenschaftler, sondern auch der Familienvater Cooper, dessen Beteiligung unerlässlich ist. Um die gewaltige Distanz rechtzeitig zu bewältigen, will man Wurmlöcher nutzen. Doch damit beginnen auch die Probleme.

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© Warner

Christopher Nolan ist ein schwieriger Patient, steht er doch in erster Linie für einen Typ von Filmegucker, der sich gern über all jene erhaben sieht, die statt, der von ihm bevorzugten Nolan-Blockbuster-Action, lieber die anspruchslose Actionfilmvariante bevorzugt. Dies veranlasst wiederum viele „Scheiß Mainstream“-Brüllaffen dazu, jeden der Nolan mag sofort als einen Liebhaber von seelenlosen Prätentionsquark darzustellen. Nolan spaltet die Geister.

Es ist wenig verwunderlich, dass auch sein neuestes Werk „Interstellar“ polarisiert. Über diesen Film ist vor allem zu sagen, dass er sich vom Nolan’schen Gesamtwerk abhebt. Wirkte es bisher immer so, als hätte Nolan stets ein Ass im Ärmel, das letzte Puzzle-Teil das zur vollständigen Auffassung des Werkes nötig ist, stets bei sich und nur durch das wiederholte Schauen wäre es möglich ihm dieses „Geheimnis“ zu entlocken, so ist es in „Interstellar“ doch anders. Er widmet sich einem Bereich der Physik, der zu einem großen Teil eng mit der Philosophie verwoben ist. Nolan legt seine Karten offen auf den Tisch. Eine Wahrheit, die Lösung des Rätsels, das letzte Teil des Puzzles besitzt auch er nicht.
Aber Nolan offenbart sich auch als großer Menschenfreund mit seinem neusten Film. Es ist ein emotional ehrlicher Film. Das anfängliche Familiendrama entwickelt sich nach und nach zu einem Drama um die Menschheit selber. Dies ist vor allem aus humanistischer Sicht wunderbar und andererseits holt Nolan auch gekonnt gegen den Trend des Posthumanismus im modernen Blockbusterkino aus.

Die Intensität dieses Film wird vor allem dadurch erzeugt, dass Nolan hier keine Handlung so in sich verwebt, dass man sie entwirren kann, sondern hier ist es so, dass diese Verwirrung natürlich ist, es ist keine von ihm erzeugte, sondern das Thema an sich ist es, dass die Fragen aufwirft. Noch dazu sind es die Bilder die Nolan für jene abstrakt-physikalischen Vorgänge findet, die die immense Wirkung des Films noch verstärken. Hinzu kommen noch Schauspieler der Extraklasse. McConaughey schließt hiermit sein Streben danach als Charakterdarsteller ernst genommen zu werden absolut ab, Michael Cain ist eine Klasse für sich. Am überraschendsten hingegen war die Leistung der jungen Mackenzie Foy, der ich wirklich eine große Karriere vorhersage. Anne Hathaway und Jessica Chastain, die zweite noch besser und bezaubernder als die erste, sind mit ihrer Leistung ebenfalls ganz vorne mit dabei.

Christopher Nolan ist mit „Interstellar“ ein ganz großer Film gelungen. Die erstaunliche Effizienz und Konsequenz der Geschichte rund um das Interstellare reisen, Familie, Liebe und die Menschheit ist das was seiner Karriere vorläufig ihre Krone aufsetzt. Das ist Kino mit Vision. Großes Kino. Ein Film, der den Menschen bzw. die Menschheit in den Mittelpunkt stellt und genau das macht ihn zu etwas so besonderem. Vielleicht der humanistischste Film dieses Jahrzehnts.

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