„Liebe“


 

Das Schicksal ist es, das zugeschlagen hat und die Liebe ist es, die das Schicksal zu besiegen weiß. Es ist die Liebe eines Mannes zu seiner Frau, die er über alles liebt, doch der sich der Problematik gegenübersieht, dass er nicht weiß wie mit ihrem Leben umzugehen ist.
Michael Haneke ist einer der größten Regisseure unserer Tage, versteht er es doch aus einem (auf dem Papier) einfachen Stoff durch seine virtuose, unaufdringliche und unglaublich intelligente Inszenierung eine Tragödie zu machen, die sich nur mit einem Wort betiteln lässt: Kunst. Er versteht es eine Atmosphäre aufzubauen, die spürbar ist, die Magie des Kinos zu entfalten. Die Isolierung und Trennung der beiden Liebenden durch den Krankheitseintritt ist in jedem Augenblick vorhanden und klar aufgezeigt. Doch es ist genau diese Isolierung, die eine Form der Intimität zwischen den beiden verlangt. Eigentlich die Intimität, die ein Pfleger zu seinem Patienten pflegt, doch dann wenn er ihre Hand berührt, zärtlich darüber streichelt und sie ansieht, sie aber diesen Blick nicht zu erwidern vermag, dann ist hier eine Form der Liebe zu sehen, die ich selbst nicht in Worte fassen kann, doch die Beweist, dass man sich in dieser umfassenden Form dem Thema „Liebe“ wohl nur in der Tragik widmen kann.

65th Cannes Film Festival - Amour
©Warner

Es rührt mich zu Tränen, Georges anzublicken während er Anne ansieht mit so viel Liebe aber auch Unverständnis, doch dazu braucht es nicht einmal verkitschte Musik, lange Dialoge oder sonstige Merkmale inszenatorischer Mangelhaftigkeit, die ein gewöhnlicher Regisseur verwenden würde, sondern lediglich Hanekes Gespür für die Menschen und Menschlichkeit. Und mit von ihm immer wieder erwähnten Verbindungen zu seiner eigenen Familiengeschichte merken wir vor allem eines im Film: Haneke lässt mit „Liebe“ tief blicken.
Die großen Schauspieler des Films, Jean-Louis Trintingnant und Emanuelle Riva, die in ihrem hohen Alter, die Schönheit der Anmut und Ausdrucksstärke besitzt, glänzen in jeder Hinsicht. Beide spielen ruhig, jedoch mit völliger Hingabe. Sie sind in jeder Szene sich ihres Handwerkes bewusst und strahlen den Glanz und die Erhabenheit des Alters aus. Alleine ihr wunderbares Spiel, macht den Film zu einem unglaublichen Erlebnis, dass mir zum Denken gibt, dass dieses Film-Jahrzehnt, ein wahrhaftig Großes bisher ist und hoffentlich auch weiterhin sein wird.
„Liebe“ ist filmische Poesie, Kunst auf höchster, vollendeter Stufe und ein tiefgründiger Film, der zum Nachdenken über das Thema anregt. Die Schauspieler bieten Höchstleistungen und haben in ihrem späten Alter noch einmal bewiesen, dass sie zu den Großen ihrer Zunft gehören und Haneke, dessen Status als einer der größten Regisseure unserer Zeit ohnehin unantastbar sein sollte, beweist mit diesem sehr persönlichen Werk, zu was Kino fähig ist, nämlich um große Themen der Menschheit anzusprechen.

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