„Zwölf Uhr Mittags“


 

In einer Zeit in der der Western für uramerikanische Ideale stand, der Sheriff den Staat selbst verkörperte, sich ohne Zweifel, mit Ehre, Mut und Furchtlosigkeit vor dem Feind ohne Schwäche dem Bösen gegenüberstellte und Amerikaner ihre Vorstellungen von Freiheit und Gerechtigkeit im Kino bestätigt sahen, da war es wohl ein Wagnis einen Film zu drehen, der sich gegen all das richtet, wofür der amerikanische Western steht.

Ich finde die Vorstellung immer wieder herrlich, wie Howard Hawks und John Wayne im Kino sitzen, ihre Köpfe vor Wut so rot wie die Streifen der amerikanischen Flagge und wie sie schließlich wutentbrannt gemeinsam über das Gesehene schimpfen und sich in ihren Fantasien vom edlen Sheriff und des Glanzes des Wilden Westens gekränkt fühlen. Und ihre Köpfe rauchten nicht ohne Grund. Wird im klassischen Western oft viel zu sehr romantisiert und Idealisiert, tritt Zinneman all das mit Füßen. Er zeigt einen Sheirff, der sein Amt eigentlich ablegen will und mit seiner Frau von dannen ziehen, doch gerade dann meldet sich ein rachsüchtiger Gauner wieder, der von unserem Sheriff einst verhaftet wurde. Entgegen augenscheinlicher Vernunft beschließt er den Kampf aufzunehmen. Verzweifelt, ängstlich vor dem, was kommt, der Möglichkeit seines bevorstehenden Todes, zweifelnd an sich und dem was er tut, sucht er nach Hilfe, doch sein Dorf, die Leute, denen er ein Leben in Ruhe und Frieden ermöglicht hat, wollen ihn wegschicken, könnte sein Handeln nicht nachvollziehen, befürchten selbst mit hineingezogen zu werden.
Man ist nur solange ein Held, solange man sich aufopfert und für die Leute etwas tut, sind es doch die Leute, die einen Helden zum Helden machen. Doch dieses Heldentum ist etwas einseitiges, es ist immer einseitig, denn der Held ist auf sich alleingestellt. Ist er doch der der in der Lage ist heldenhaftes zu verrichten und an dem es liegt das richtige zu tun und so wird der Held zum Ausgestoßenen. Die Leute sagen zu ihm, er solle aus der Stadt verschwinden, das Richtige tun. Heldentum ist nichts erstrebenwertes, es ist eine Bürde, eine Pflicht und schließlich ist das Symbol dieses Heldentums, der blecherne Stern auf seiner Brust, wertlos, denn es hat ein Verfallsdatum. Ein Held ist man immer nur für eine begrenzte Zeit.
Gary Cooper, der den Helden dieser Geschichte verkörpert und der den Stern schließlich in den Dreck wirft, ein Bild von ungeheurer Symbolkraft, spielt hier wahrhaftig exzellent. Die Verlorenheit und Verzweiflung des Charakters bringt er kraftvoll zum Ausdruck. Dies wird von Regisseur Zinneman perfekt in Szene gesetzt, wenn wir ihn einsam durch die Stadt streifen sehen, untermalt vom subtil immer strker hämmernden Soundtrack von Dimitri Tiomkin sehen. Zudem ist Zinneman ein ungeheurer Spannungsbogen gelungen. Seine Erzählung ist atmosphärisch dicht und schnürt dem Zuschauer die Kehle immer mehr zu. Andauernd suchen wir nach der Uhr, die uns sagt, wann es zum Finale kommen wird, dabei wechselt er gekonnt die Schauplätze.
„Zwölf Uhr Mittags“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Meisterwerk. Ein Meisterwerk des Western-Kinos und vor allem ein glorreicher Wegbereiter für weitere Spätwestern mit desillusionierender Handlung. Gary Cooper als einsamer Sheriff legt eine unglaubliche Darstellung hin in einem Film von ungeheurer Spannung. „Zwölf Uhr Mittags“ ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muss, einer der besten Filme aller Zeiten und ein ungemein Unterhaltsamer noch dazu!


 

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Bogartus sagt:

    Hat dies auf Bogartus Welt rebloggt und kommentierte:
    Einen 10 von 10 Sternefilm reblogge ich natürlich ganz besonders gerne. Fred Zinnemann – ein Österreicher 🙂 hat mit diesem Film ein Meisterwerk geschaffen. Garry Cooper wurde zu Recht für seine Darstellung von Will Kane mit dem Oscar belohnt. Lee van Cleef wurde wohl zum ersten mal für eine winzig kleine Nebenrolle besetzt und Jack Elam bekommt wieder mal von diesem Top-Western gar nichts mit! 😉

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