„No Country for Old Men“


Wenn sich dieser Film durch eines auszeichnet, dann ist es vor allem die düstere und sehr dichte Atmosphäre des Films, die durch alle perfekt zusammen harmonierende Elemente des Films entsteht.

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©Paramount

Hierbei ist dies den genialen Darstellern, genauso zu versanken, wie der ruhig brachialen Inszenierung der Coens, sowie der virtuosen Kameraführung von Roger Deakins, dessen Bilder besonders zu Beginn des Films das Thema, das sich durch den Film zieht, bereits perfekt einfängt und stark zum Ausdruck bringt.
Der irrational handelnde Killer Chigurh, dem es darum geht, seinen Opfern immer klar zu machen, dass es der Wink des Schicksals ist, der über Leben und Tod entscheidet, ist für mich der klare Hauptdarsteller des Films. Psychopathisch glänzend gespielt von Javier Bardem, verwirrt er durch sein Handeln (Warum tut er dies? Warum tut er das?) alle beteiligten und entzieht sich so einer klassischen Zuteilung in: Er tut das, weil er der Bösewicht ist. Eben diese klassischen Zuweisungen ist enorm im klassischen Western, auf welchen Bezüge im Film unverkennbar sind, vorhanden. Tommy Lee Jones redet im Film immer von den alten Zeiten, welche zwar nicht unmittelbar die, des klassischen Western sind, aber eben durch die Desillusionierung der einfachen Klassifizierung, richtet sich der Film gegen dieses nostalgische Denken. Letzten Endes muss sich auch Jones geschlagen geben als er seiner Frau von seinem Traum aus der alten Zeit erzählt und mit den Worten: „And then I woke up“ endet.

Mit diesem Film, brechen die Coens aber nicht nur mit klassischen Motiven, sondern wollen ihren Film auch nicht einfach in ein Genre stecken und so befindet sich „No Country for Old Men“ irgendwo zwischen Neo-Western, Thriller, Drama und Neo-Noir mit einer geballten Portion schwarzem Humor. Sie verstehen es vorzüglich die Szenen der verschiedenen Charaktere, die im Film nie direkt auf einander treffen (Kelly Macdonald dient hierbei als Bindeglied aller drei Hauptfiguren), zu verbinden und die Spannung kontinuierlich hochzuhalten. Die Wahl auf Musik zu verzichten, schadet dem Film in keinster Form. Im Gegenteil: Es gibt dem streifen eine unfassbar realistische Stimmung.

An dieser Stelle seien noch einmal die großartigen Schauspieler erwähnt, die den Film ihren ganz besonderen Charme aufdrücken. Tommy Lee Jones, der einer meiner Lieblingsschauspieler ist, liefert hier eine seiner besten Leistungen ab und holt aus seiner Figur einfach alles raus und sein Abschlussmonolog ist sowieso kongenial. Doch der wahrscheinlich am meisten im Gedächtnis bleibende ist ganz klar Javier Bardem, dessen Darstellung des irrationalen Anton Chigurh sich dem Zuschauer einbrennt. Ich werde sein lächelndes Gesicht nie vergessen, während er den Polizisten eiskalt am Boden erwürgt. Neben diesen beiden Größen bewegt sich aber auch noch Josh Brolin durch das Spielfeld. Auch wenn er nicht ganz die schauspielerische Klasse der beiden anderen erreicht, schafft er es die Handlung auf seinen Schultern zu tragen und den Charakter des Llewelyn Moss glaubhaft wiederzugeben. Aber zwischen diesen drei Männern, bewegt sich, vom Drehbuch geschickt zum Bindeglied gemacht, eine bezaubernde und wirklich sehr gut aufgelegte Kelly Macdonald, die die Geschehnisse nicht hundert prozentig zu überblicken mag, die aber in ihrer Unschuld wohl die einzige wirkliche Gewinnerin des Films darstellt.
Zurecht mit 4 Oscars belohnt ist „No Country for Old Men“ ein großartiger Film, über Jäger und Gejagten, das Schicksal, Tod und Leben sowie Nostalgie und Moderne. Fantastsich fotografiert und mit wunderbaren Schauspielern besetzt, ist den Coen-Brothers hier eine Perle gelungen, die man gesehen haben sollte.

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